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Faszination Gong – Die Geschichte eines archaischen Instruments

von Dr. phil. Christina Koller berichtet in ihrem Beitrag über die Geschichte und Einsatzmöglichkeiten des Gong.

Der Monat August steht ganz im Zeichen des Gongs. Seine archaisch anmutenden Klänge faszinieren immer mehr Menschen. Von sanften, kaum wahrnehmbaren Tönen bis hin zum mächtigen, fast schon bedrohlich wirkenden Grollen bietet dieses Instrument eine schier unendliche Klangfülle.

Zum Einstieg in unsere Gong-Reihe möchten wir heute einen ersten Einblick in die Jahrtausende alte Geschichte dieses besonderen Instruments geben.

Der Gong blickt auf eine lange Tradition zurück

Aus musikwissenschaftlicher Sicht werden Gongs – wie auch Klangschalen – den Metall-Ideophonen zugeordnet, die zu den ältesten und wichtigsten Musikinstrumenten Südostasiens zählen. Hinsichtlich Ursprung und Verwendung ist sich die Fachwelt nicht ganz einig und so wird über ihr Alter spekuliert. Manche vermuten, dass es bereits im Bronzezeitalter, also 3.500 v.Chr., erste Vorläufer gab, andere orientieren sich an Fakten, wonach sich die Ursprünge bis ins 2.000 v.Chr. zurückverfolgen lassen. Als Hauptzentren der Gongkultur gelten vor allem Burma, China, Annam und Java. Dabei werden die sogenannten „Kettle Drums“ einhellig als Vorläufer der Gongs anerkannt. Aus diesen bronzenen Kesseltrommeln entwickelten sich verschiedene Formen von Gongs, die sich im Laufe der Jahrhunderte über die berühmte Seidenstraße bis nach Japan verbreiteten.

Im gesamten fernöstlichen Kulturkreis kam und kommt dem Gong eine wichtige Rolle im Leben der Menschen zu. Es wird davon ausgegangen, dass seine ursprünglichste Funktion die der Signalübermittlung war, z.B. um bestimmte Tagesabläufe oder Zeremonien anzukündigen. Er sollte bei religiösen Zeremonien, aber auch die Aufmerksamkeit schlafender Götter erregen – Geister sollten durch seine Klänge beschwört, Dämonen gebannt werden. Und auch heute haben Gongs bei den Ritualen fernöstlichen Religionen einen besonderen Stellenwert. Der Gong ist also Ritualinstrument. Er ist aber auch Musikinstrument; als solche begleiteten und begleiten Gongs Tanz-, Gesangs- und Gebetszeremonien, private Hauskonzerte oder Theateraufführungen.

Ein wenig bekannter Aspekt ist die „dunkle Seite“ des Gongs. Aufgrund seiner Klangfülle ist er ein sehr mächtiges Instrument, das angeblich auch als Folterinstrument verwendet wurde. Dabei wurde der Angeklagte zwischen zwei großen Gongs festgebunden und war deren Klanggewalt ausgeliefert. Der Klang von Gongs reicht von der Hörschwelle bis zu 90 dB und darüber hinaus, sodass im Anschwellen zweier Instrumente die Lautstärke von 150 dB – und damit die menschliche Schmerzgrenze – durchaus überschritten werden kann. Dabei kann es zu schweren Verletzungen des Gehörs oder gar zum Tod kommen.

In jedem Fall sollte dieses mächtige Instrument immer mit dem nötigen Respekt und großer Sorgfalt gespielt werden – gerade dann, wenn man für ein Publikum spielt.

Der Gong kommt über den Seeweg nach Europa

Der Gong war aufgrund seiner kostbaren Metalllegierung und der häufig auch künstlerisch und klanglich beeindruckenden Ausstrahlung ein Symbolträger für Wohlstand und Reichtum. So wurde er nicht nur begehrte Handelsware, sondern soll sogar als Geldersatzmittel genutzt worden sein. Im Zuge der Kolonialisierung kamen die ersten Instrumente im 16. Jahrhundert über den Seeweg von Asien nach Europa. Dort dienten sie meist ausschließlich als Signalinstrumente, welche im bürgerlichen Haushalt die Essenzeiten meldeten oder die Weltoffenheit des Hauses repräsentierten.

Der eigentliche Einzug in die westliche Musikkultur lässt sich auf das Jahr 1889 und die Weltausstellung in Paris datieren. Damals präsentierten javanische und annamitische Gamelan-Ensembles im niederländischen Pavillon die Musik ihres Kulturkreises. Die Gamelan-Orchester wurden v.a. in Java und Bali zu einer hohen Kultur entwickelt. Der typische Sound dieser Orchester basiert dabei hauptsächlich auf Gongs, Gongreihen und Metallophonen, die je nach Größe und Verwendungszeck durch Trommeln, Saiteninstrumente, Flöten und Gesang ergänzt werden. So sind Gongspiele mit bis zu 18 Tönen bei traditionellen indonesischen Gamelan-Orchestern keine Seltenheit.

Claude Debussy und Maurice Ravel zählen zu den ersten europäischen Musikern, die sich ernsthaft mit den Einflüssen dieses Musikstils auseinandersetzten. Z.B. erwies Ravel in seinem „Bolero“ dem Gong einen gebührenden Platz. Viele weitere Musiker nutzen das exotische Instrument, auch wenn sein Einsatz oft auf dramatische Effekte beschränkt blieb und bleibt. In den 1980er Jahren haben Musiker wie Jens Zygar, Johannes Heimrath oder Bardo den Gong durch internationale Konzerte publik gemacht. Parallel entstanden in dieser Zeit auch unterschiedliche Konzepte der Selbsterfahrung und Therapie, bei denen der Gong ein zentrales Medium bildet. Einen Einblick hierzu bietet z.B. das Buch „Heilsame Klänge. Der Gong in Therapie, Meditation und Sound Healing“ von Prof. Hilarion G. Petzold.

Auch Peter Hess setzt seit den 1989er Jahren Gongs in der von ihm entwickelten Klangmassage ein. Zu Beginn waren es er und seine ersten Mitarbeiterinnen Connie Henning, Elisabeth Dierlich oder Emily Hess, die die klingenden Bronzescheiben mit ihren vielfältigen Erfahrungsmöglichkeiten in Seminare und Konzepte integrierten und seither vielen tausend Menschen näher gebracht haben. All diesen Gong-Pionieren ist es zu verdanken, dass die klingenden Bronzescheiben heute viele Menschen begeistern und in ihren Bann ziehen.

Und so sind heute in unserem Kulturkreis unterschiedliche Gongarten bekannt, die je nach verwendetem Schlägel und Technik ihre Klangvielfalt entfalten. Am bekanntesten ist der TamTam-Gong, der mit seinem intensiven Klangvolumen begeistert. Darüber hinaus gibt es den Fen-Gong mit seiner „windhaften“ Klangbewegung, den Buckelgong mit seinem zentrierenden Klang oder die Paiste-Gongs und die ollihess-Gongs, die aufgrund ihrer brillianten Klangfarbe und Stimmung häufig im musikalischen Kontext anzutreffen sind.

Die Einsatzfelder der Gongs sind vielfältig: von Konzerten und Meditationen angefangen, über den Einsatz in der Klangmassage bis hin zur gezielten Arbeit in Klangtherapie oder Klangpädagogik. Dabei trägt der Gong ein wunderbares Potenzial zur intensiven Selbsterfahrung in sich – vorausgesetzt, er wird gekonnt und verantwortungsvoll gespielt!

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Tipps:

Das Buch „Heilsame Klänge – Der Gong in Therapie, Meditation und Sound Healing“, herausgegeben von Prof. Hilarion Petzold, gibt mit 15 Beiträge vielfältige Einblicke zu Anwendungsmöglichkeiten dieses außergewöhnlichen Instruments. Es ist beim Verlag Peter Hess erhältlich.

Am Peter Hess® Institut werden zahlreiche Gong-Seminare angeboten. Gong-Interessierte können z.B. bei den Seminaren „Experimentelle Gongerfahrung – Technik und Spielfreude für Anfänger“, alternativ beim Seminar „Gong I: Grundlagen für das Gongspielen“ oder „Gong in Konzerten und meditativen Klangräumen“ in einem sicheren Rahmen Erfahrungen sammeln und Techniken für das eigene Gongspiel erlernen.
Verschaffen Sie sich einen Überblick über alle Weiterbildungsseminare am Peter Hess® Institut die Auswahl ist sehr umfassend.

Aus einer großen Auswahl an Gongs, Schlägeln, Ständern und Zubehör können Sie online oder direkt im Laden bei hess klangkonzepte auswählen.

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