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Der Klang des Lebendigen – mit Gewinnspiel

Florasonium CD Springtimevon Gastautorin Dr. phil. Christina M. Koller

Der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Thilo Hinterberger vertont Gehirn- und Körpersignale, aber auch die lebendigen Prozesse von Pflanzen.

Mit ihrer üppigen Blütenpracht erfreuen uns Pfingstrosen, Nachtkerzen und andere Blumen jedes Jahr aufs Neue. Ihr wunderschönes Äußeres blickt uns scheinbar still entgegen. Dabei singen alle Pflanzen ein für unsere Ohren unhörbares Lied, wie wir es in Joseph von Eichendorffs Gedicht „Die Wünschelrute“ erahnen können:

„Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort, und die Welt fängt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort.“

Prof. Dr. Thilo Hinterberger, Stiftungsprofessor für angewandte Bewusstseinswissenschaften in der Psychosomatik an der Universität Regensburg, scheint um dieses Zauberwort zu wissen, denn er macht das Lied der Pflanzen hörbar.

Angefangen hat alles damit, dass der studierte Physiker 1997 im Rahmen seiner Promotion mit der Programmierung eines Gehirn-Computer-Interfaces (BCI) zur Kommunikation mittels Gehirnsignalen begann. BCIs sind Computer gesteuerte Neurofeedbacksysteme, die in der Lage sind, Signale aus dem Gehirn in Echtzeit zu verarbeiten, zu klassifizieren und die Ergebnisse in ein Steuersignal umzuwandeln, mit dem Anwendungen wie Buchstabierhilfen, Neuroprothesen oder auch Klanginterfaces gesteuert werden können. Sie sollten vollständig gelähmten Menschen die Möglichkeit verschaffen, über ihre Gehirnsignale zu kommunizieren.

Hinterberger und Kollegen entwickelten die Computer Schnittstelle Thought Translation Device (TTD) am Institut für Medi­zinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen. Damit konnte ein Patient, der von der Nervenlähmung ALS betroffen ist, ganze Briefe über die Selbststeuerung seiner langsamen Gehirnpotentiale schreiben. Die Forschergruppe kam mit immer neuen Patienten mit unterschiedlichen Schweregraden der Erkrankung in Kontakt. 2002 reisten sie zu einem Patienten mit Locked-In-Syndrom nach Peru, d.h. man vermutete, dass der Patient bei völliger Regungslosigkeit bei Bewusstsein sei. Da er nicht mehr in der Lage war, seine Augen auf einen Punkt am Bildschirmmonitor zu fokussieren, musste das System in die akustische Domäne übertragen werden, um ihm eine Kommunikation über die Gehirnsignale zu ermöglichen.

Hierbei stellt der Computer Fragen und der Patient beantwortet diese, indem er bestimmte Gehirnparameter über Klänge zu steuern erlernen sollte. Die Antwort wurde ihm ebenfalls vom Computer übermittelt. Aus diesem Ansatz entstand die Idee, nicht nur einen bestimmten Gehirnparameter, sondern die gesamte Komplexität der Gehirnsignale als Klangkonzert wiederzugeben. Die Besonderheit dieses Systems zu anderen Feedback-Geräten ist, dass durch die Umwandlung der Signale die wesentlichen Eigenschaften der verschiedenen Gehirnfrequenzen hörbar beibehalten werden. So kann man beispielsweise die Vibration eines 10-Herz-Alpha-Rhythmus direkt nachvollziehen. Ordnet man den verschiedenen Gehirnsignalen unterschiedliche musikalische Instrumente zu, dann ergibt sich daraus eine Art Konzert des Gehirns.

Aus dem von Hinterberger verwendeten Begriff der „orchestralen Sonifikation“ leitet sich auch die System-Bezeichnung POSER ab, die für „Parametrisch orchestrale Sonifikation des EEG in Real-Time, also Echt-Zeit“ steht.

Aus dieser Entwicklung entstanden Projekte wie Brain-Music und Brain-Dance, die als Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft verstanden werden können. Bei der Brain-Music werden Prozesse des Gehirns, aber auch des Herzens oder anderer Körpersignale vertont. Brain-Dance hingegen stellt eine improvisationstänzerische Umsetzung der eigenen, aktuellen Gehirn- und Körpersignale dar. Dabei werden die Körperrhythmen der Tänzerin über ein kleines, tragbares Interface per Funk zum Computer gesendet und sonifiziert. So ergibt sich eine geschlossene Feedback-Schleife, in der für den Zuschauer Ursache und Wirkung untrennbar miteinander verschmelzen.

Es lassen sich aber nicht nur Körpersignale, sondern auch andere physiologische Prozesse wie beispielsweise die elektrischen Vorgänge in Pflanzen vertonen. So entstand die Idee der Pflanzensonifikation. „Es ist kein esoterisches Unterfangen, sondern eine künstlerische Umsetzung wissenschaftlicher Aspekte“, erklärt Thilo Hinterberger. „Es gibt elektrische Prozesse in Pflanzen, die mit dem Wachstum oder dem Blühen in Zusammenhang stehen. „Die technische Umsetzung dieser Signale in Klänge kann man sich wie folgt vorstellen: Als lebendige Organismen gibt es in allen Pflanzen ein reges Innenleben. Ihr Wachstum wird durch den Transport von Wasser und darin gelösten Elektrolyten vermittelt, wobei elektrische Spannungsveränderungen erzeugt werden. Diese können über Elektroden am Stiel, an den Blättern und an der Blüte gemessen werden. Biologische Forschungen zeigen, dass auch Pflanzen sogenannte Aktionspotenziale erzeugen, die am Stiel entlang aufsteigen. Im Vergleich zu den menschlichen, neuronalen Impulsen sind diese jedoch sehr viel langsamer.

Die abgenommenen Signale werden mittels EEG-Verstärker und dem etwas modifizierten Neurosonifikationssystem POSER, das hier als „musikalische Pflanzen-Computer-Schnittstelle” dient, in Klänge umgewandelt. Rein technisch gesehen löst jedes Wellenmaxima eines Impulses einen Ton aus. Die Tonhöhe wird durch den Abstand zwischen zwei Wellenmaxima, die Lautstärke durch die Amplitude bestimmt. So entsteht eine nachvollziehbare Tonabfolge, die als orchestraler Klang hörbar wird. Auf diese Weise dienen die Signale zum Spielen elektronisch erzeugter Instrumente. Die hörbar gemachten Pflanzensignale gleichen einer getragenen, meditativen Musik. Prozesse, wie das Öffnen einer Blüte, werden regelrecht zu Musik in unseren Ohren. Dabei gibt es Pflanzen wie die Nachtkerzen, bei denen sich die Blüte in nur weniger Sekunden öffnet. Misst man die elektrischen Signale zwischen Stiel und Blüte, dann kann das Öffnen des Blütenkelches in Echtzeit hörbar gemacht werden – ein besonders beeindruckendes Erlebnis, das unter www.florasonium.de zu sehen und zu hören ist.

Der Frühling ist die Zeit, in der die stärksten Wachstumsprozesse zu beobachten sind. Am elektronischen Pult dirigiert Hinterberger ein Orchester aus Schneeglöckchen, Krokus, Tulpen, Schlüsselblumen, Narzissen, Holunder und Gräser. Mit verschiedenen Instrumenten wurden ihre Signale bzw. Rhythmen vertont – ein Hörgenuss der besonderen Art! Dennoch bleibt die Pflanzensonifikation ein Hobby des Neurowissenschaftlers, wohingegen aus der Sonifikation der Körpersignale zurzeit ein neuartiges Neurofeedbacksystem namens SENSORIUM® entsteht.

Gewinnspiel

Für alle, die diese vertonten Pflanzenklänge gerne bei sich zu Hause hören möchten, verlosen wir
3 Exemplare seiner CD „Spring Time – Awaking of Nature“,
die im Frühjahr 2010 entstand. Schreiben Sie einfach einen Kommentar zu diesem Blogbeitrag unter „Leave a comment“. Mit der Absendung Ihres Kommentars nehmen Sie automatisch am Gewinnspiel teil, bitte lesen Sie jedoch vorab unsere Teilnahmebedingungen durch, denn mit Absenden eines Kommentars akzeptieren Sie diese. Wundern Sie sich bitte nicht, dass Ihr Kommentar nicht sofort erscheint, wir müssen die Kommentare erst freischalten, ansonsten haben wir Probleme mit Spam-Mails.

Das Gewinnspiel beginnt mit Veröffentlichung des Blogbeitrags am 11.09.2015 um 07:00 Uhr und endet am Samstag, den 10.10.2015 um 24:00 Uhr.

Die Gewinner werden am 12.10.2015 ausgelost und per Email benachrichtigt.

Zum Schluss möchten wir euch auf eine Veranstaltung mit Thilo Hinterberger hinweisen.

Veranstaltungstipp:

Prof. Thilo Hinterberger hält am 7. November 2015 im Rahmen der Tagung des Europäischen Fachverbandes Klang-Massage-Therapie e.V. einen Vortrag mit dem Titel: Resonanz in Physik, Biologie und Bewusstsein. Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier..

Kontakt:

Prof. Dr. Thilo Hinterberger

Forschungsbereich Angewandte Bewusstseinswissenschaften

Abteilung für Psychosomatische Medizin

Universitätsklinikum Regensburg

www.ab-wissenschaften.de

32 Gedanken zu „Der Klang des Lebendigen – mit Gewinnspiel

  1. Vor einem Jahr beim Klangkongress hörte ich zum ersten Mal von der CD ….jetzt lese ich zufällig von dem Gewinnspiel….ich würde mich riesig freuen, wenn ich bald zu den Gewinnern gehören könnte…..
    und ich bin immer wieder begeistert, was für kreative Ideen die große Klangfamilie hat!!!

  2. Die Symphonie der Pflanzen – vielleicht im ersten Moment etwas „strange“, wenn man sich vorstellt das Wachsen einer Pflanze zu hören. Mir kam bei diesem Bericht gleich der Gedanke an ein wunderschönes Buch, das zwar nichts mit Pflanzen zu tun hat, dafür aber mit einer anderen „übersinnlichen“ Fähigkeiten: Das Herzenhören (von Jan Sendker).
    Wenn wir unsere Herzen öffnen für die Schönheit der Natur, ist es auch möglich all das zu hören, was unserem normalen Hörspektrum nicht entspricht.

  3. Ich war bereits im vergangenen Jahr bei der Fachverbandstagung sehr berührt von dem Vortrag und der Musik.
    Ich würde mich sehr über die CD freuen.
    Herzliche Grüße Petra Zschuckelt

  4. Interessanter Artikel, Ihr schafft es immer wieder mich für neue Ding zu begeistern. Gerne nehme am Gewinnspiel teil?. Viele Grüße Claudia

  5. in der intensiv 1-4 klangschalenausbildung schrieb ich (wohl nicht genaue worte): menschen, tiere, pflanzen, natur, welt, universum. dafuer moechte ich mit meinen klangschalen behilflich sein blance und positive energie zu unterstuetzen. bei tieren kann ich schnell merken, wenn es guttut. vor einer woche war ein hindu geburtstag, ein nachbar machte mich darauf aufmerksam. ich bot ihm an in meinem „reich“ meine klangschalen fuer den geburtstag zu spielen. das war in menem mini-garten. es kam mir wieder in den sinn…auch die pflanzen…sie bekamen ein sonderkonzert. ich wuerde mich ungemein freuen auch konzerte der pflanzen miterleben zu koennen.

  6. Der Artikel ist ganz toll. Vielen Dank.
    Wir haben einen Schwimmteich und ich schlägel regelmäßig die Klangschalen im Wasser an. Jetzt einmal die Pflanzen zu hören wäre wundervoll. Ich nehme gern am Gewinnspiel teil.

  7. Der Artikel ist beeindruckend, der Vortrag im letzten Jahr beim Kongress war es auch. Damals wollte ich mir die CD schon bestellen und bin vor lauter anderen Dingen wieder darüber weg gekommen … Ich würde mich sehr über die CD freuen und ich finde das ganze Thema sehr spannend. Viele wunderbare Grüße von Birgit

  8. Großartiger Artikel ! Es ist wunderbar wie die Nachtkerze öffnet und das nicht nur sehen kann sondern auch hören! Sehr schön.
    Würde mich sehr freuen über die CD.

  9. Da ich mich selbst regelmäßig beim Kirtanspielen am Harmonium ganz tief in Musik versenke und in Einklang komme, würde ich mich unglaublich freuen, eine CD zu gewinnen, um noch tiefer in Klang einzutauchen und die Klänge der Pflanzen zu hören. Ich habe auch das Gefühl, dass meine Zimmerpflanzen durch mein Harmoniumspielen und singen, besser wachsen, weil sie mit mir in Resonanz gehen. Jetzt würde ich das gleiche gern mal umgekehrt machen und mit den Pflanzen in Resonanz gehen…?????

  10. Hallo liebe Klangfreunde….als Klangschalenpraktikerin ist es mir eine große Freude, jede Art von Klang zu hören, wahr zu nehmen…..und zu genießen….Klangvolle Grüße Edda

  11. Hallo Ihr Lieben :-)
    ich finde Klänge und was sie in uns bewirken und heilen wundervoll und freue mich über Euer Gewinnspiel :-)
    diese CD ist ein wundervolles Geschenk welches ich bei meiner Arbeit mit Reiki gut verwenden kann <3 ich freue mich über eine CD und nehme hiermit am Gewinnspiel teil <3
    Liebe Grüße und eine wundervolle Zeit <3 von Herzen <3 Melanie

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