Der Ursprung meiner Urvertrauen Seminare liegt in einer geheimnisvollen Stadt mit dem Namen Bhaktapur

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von Emily Hess

Bhaktapur – die mittelalterliche Stadt. Auch heute noch exotisch für das westliche Auge sind die uralten, erhalten gebliebenen Häuser, Tempel und Tempelplätze.

Die Häuser sind aus handgeformten rotem Backstein gebaut, häufig drei Stockwerke hoch, schmal, eng aneinander gereiht. Unten eigentlich die Tiere oder die Geschäfte, ganz oben dann die Dachterrassen. Bis hier oben kommen die Ratten nur selten. Höchstens vielleicht mal Annabell, die sich auf den langen Weg in den 3. Stock macht, um sich das letzte Stückchen Käse zu ergattern. Da die Ratte das Reittier des Gottes Ganesha ist, wird ihr das auch gern nachgesehen. Hier oben befinden sich oft die Küchen und auch das Leben der Hausbewohner findet immer mal wieder hier statt. Essen kochen, Babymassage, verträumt im Schatten sitzen.

Aus der Babymassage habe ich die Urvertrauenklangmassage aus dem Seminar Urvertrauen -Wandel entwickelt, weil es mir so ein tiefes Anliegen war und ist, diese Atmosphäre des Geschehenlassens und Geborgenseins zu transportieren.

Das Leben auf den Straßen in Bhaktapur ist unglaublich rege. Dort wird sich ebenso gewaschen, massiert, gekämmt. Die kleineren Kinder mit ihren nackten Popos erledigen ihre Geschäftchen in den Straßenrinnen. Die Frauenmassage findet durchaus auch mal auf den Straßen vor den Hauseingängen statt. Aber es ist unmöglich, einen Blick darauf zu bekommen. Ganz fein lächelnd schieben sich die Frauen immer wieder in mein neugieriges Blickfeld, bis ich aufgebe. Überhaupt die Frauen – plaudernd, arbeitend, ihre kleinen Babys stillend, sitzen sie in Gruppen zusammen und erzählen und lachen. Immer wieder begegne ich offenen, lächelnden Frauenaugen, die mich irgendwie zu verstehen scheinen. Vielleicht ist das die größte Veränderung in mir, die gerade Nepal bewirkt hat. Das Zusammenleben mit Frauen, das so einzigartig kraftvoll, lebendig und verstehend ist. Mich als Frau im Spiegel der nepalischen Frauen neu oder erstmalig zu erfahren. In meinen Seminaren haben diese Erfahrungen und Erlebnisse einen anderen Umgang mit Frauen angeregt. Ich habe ein völlig neues Bild vom Zusammenleben entdeckt. Mein Mann, Peter Hess, ist der wichtigste Begleiter in  meinem Leben und in der Liebe. Aber in Nepal habe ich gelernt, weniger von ihm zu erwarten. Ich habe erkennen dürfen, dass es so große Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, dass sie einander nicht wirklich verstehen können. So paradox das vielleicht klingen mag, hat es sich positiv auf mein Leben ausgewirkt. Mein Urvertrauen, mein Vertrauen in mich und mein Leben wurde geweckt.

Bhaktapur-Sound

Morgens um fünf Uhr – ich liege tief schlafend unter meinem Moskitonetz – beginnt das Leben in Bhaktapur: Leises Frauenlachen aus den offenen Fenstern vom gegenüberliegenden Haus. Die Häuser stehen einander sehr eng gegenüber, es ist August, also warm, so sind die Fenster immer offen. Der Regen in dieser Jahreszeit kommt meistens nachts. Pünktlich um 20 Uhr beginnt er zu rauschen. Wunderbar einschläfernd. Das Lachen löst ihn ab. Dann das laute Rattern des Tuk-tuks, ein dreirädriges Auto, das laut klappernd die Milch bringt – um 5 Uhr morgens! Ich drehe mich wohlig um. Sanft geschaukelt von den leisen Morgenstimmen um mich herum. Das leichte Klappern der Eimer am Brunnen unter meinem Fenster. Das leise Ratsch-Ratsch des Zähneputzens an diesem Platz. Das Murmeln erster Mantras am Tempelchen, das ein paar Meter neben dem Haus liegt. Die Glocke am Tempelchen wird geläutet. So werden die Götter geweckt.

Immer wieder leises Lachen, wenn sich gegenseitig geneckt wird. Die Stadt erwacht zum Leben….. So gaaaanz laaangsaam und wohlig ich auch…

Nach dem Frühstück, das Rameshor so herrlich lecker in der Küche auf dem Dach bereitet hat, sitze ich und schaue…

Ich schaue auf die anderen Hausdächer und beobachte das Leben. Die Nepali sind sicher das neugierigste Volk der Erde. Sie leben in einer gemeinschaftlich ausgerichteten Welt im Gegensatz zu unserer westlichen Welt, die das Individuum in den Mittelpunkt stellt. Sie stellen sich einfach hin und schauen. Wenn ich komische Sachen mache, lachen sie mich direkt, amüsiert und offen an (oder aus?). Telefoniere ich, kommt immer jemand interessiert und setzt sich neben mich, es könnte ja sein, dass ich mich einsam fühle beim Telefonieren. Hier wird eben miteinander gelebt, alles ist für alle interessant. Schreibe ich heute eine Mail an Jenu, meine nepalische Freundin, weiß ich, dass sie von vielen gelesen wird. Das ist völlig selbstverständlich. Es gehört dazu.

In den Familien gibt es nur Brüder und Schwestern, die Benennung Cousin und Cousine gibt es nicht. Kinder sind Familienkinder. Im September 2010 hatte Romish, der nun 14-jährige Sohn „meiner“ nepalischen Familie, seine Puja. Es ist eine Art Einweihung, ein sehr wichtiges Fest, das ihn in die Erwachsenenwelt einführt. Diese Welt bringt ihm viel Verantwortung für die Familie als Aufgabe. Auch bei uns gibt es Rituale in einem ähnlichen Alter, die Kommunion und die Konfirmation. Romish erlebt ein dreistündiges Ritual, bei dem ihm u.a. die Haare geschnitten und im Fluss gereinigt werden. Danach gibt es eine große Party und natürlich Geschenke.

Ich habe ein ähnliches Ritual bei Jianni, meinem damals 11-jährigen Neffen beobachtet. Wir waren zu seinem Geburtstag in Nepal und unsere befreundete nepalische Familie hat auch ihm eine Puja ausgerichtet. Er wurde in dieser Zeit verehrt, zu einem Gott gemacht, das Göttliche in ihm wurde genährt. Er war sehr stolz, sich so wichtig fühlen zu dürfen. Auch für mich war es ein sehr berührendes Ritual. Jianni wurde zum Mann, auch wenn er das gar nicht so sah. Aber heute erinnert er sich noch daran, wie es für ihn war, so wichtig für andere Menschen zu sein.

Ich beobachtete die Menschen ganz in deutscher Manier. Mit großer Sonnenbrille und dem unvermeidlichen Buch auf dem Schoß. Über den Rand meiner Sonnenbrille sehe ich die Frau, die mit einem Baby auf dem Arm auf die Dachterrasse gegenüber kommt. Laaangsaaam…. Ebenso langsam setzt sie sich hin und breitet – eben langsam! – eine Decke aus. Dann schaut sie erst einmal, das Baby scheint auch zu schauen. So wird das Baby gelassen – ich will nicht schon wieder langsam schreiben – auf die Decke gelegt und ausgezogen. Als ich diesen Vorgang das erste Mal beobachtet habe, entstand in mir eine große Sehnsucht. Sehnsucht nach dieser LANGSAMKEIT und Ruhe. Dann wird das Baby massiert. Mit festen klaren Griffen. Ein kleines Mädchen kommt auf die Terrasse hockt sich ruhig daneben und schaut verträumt zu. Diese Art der Langsamkeit findet sich heute auch in meinen Seminaren. Mir ist es wichtig, dass alle Teilnehmer ihre Ruhe wiederfinden können.

Immer wieder sehe ich in den vielen Jahren diese ruhige Tätigkeit, sei es beim Massieren oder beim einfachen Schneiden von Gemüse oder dem Häkeln. Immer sind die Frauen, die ich sehe, von einer Aura der Ruhe, Liebe und Gelassenheit umgeben. Die Frauen sind immer in Beschäftigung und scheinen trotzdem immer Zeit zu haben. Sie arbeiten wirklich viel. Sind die Nepali doch das fünftärmste Volk der Welt. Bhaktapur ist eine Bauernstadt. Bereits in den frühesten Morgenstunden gehen die Menschen auf ihre Felder außerhalb der Stadt. Später dann werden die Erzeugnisse in ihren Geschäftchen verkauft. Die kleinen Kinder sind immer dabei. Die Mädchen begleiten ihre Mütter, die Jungen ihre Väter, soweit das möglich ist. So lernen die Kinder schon sehr früh ihre Aufgaben als Frau oder als Mann. Überhaupt scheinen die Nepali ihren Kindern sehr viel Verantwortlichkeit und inneres Wissen zuzutrauen. Sie gehen offenbar davon aus, dass ihre Kinder nur Dinge machen, von denen sie überzeugt sind, sie auch zu können. So entsteht eine Atmosphäre von Achtung gegenüber Kindern. Gleichzeitig werden sie nicht so sehr ernst genommen. Sie sind eben da, gehören dazu. Haben aber keine wirkliche Aufgabe, solange sie noch klein sind, das heißt bis ca. 5-7 Jahren. Sie können sich die Welt aus ihrer sicheren Trageposition auf dem Rücken oder der Hüfte anschauen, in der sie bis zum circa 2. Lebensjahr ihr Leben genießen können. Sie werden von der Mutter, Großmutter oder älteren Geschwistern auf dem Rücken mit unglaublich großer Geschicklichkeit und Sicherheit getragen.

Entstehung der Klangpädagogik

Von 1993 bis 2002 habe ich Menschen in eigener Praxis dem – Regenbogenhaus – Zentrum für ganzheitliche Pädagogik begleitet.

Es kamen Mütter mit Babys, die sehr viel weinten; Schwangere, die schon einige Fehlgeburten erlebt hatten; Paare mit Kinderwunsch; Eltern mit Kindern, die Schwierigkeiten in der Schule hatten; Jugendliche; Frauen und auch einige Männer mit vielfältigen Aufträgen.

Immer habe ich mit der Peter Hess®Klangmassage begonnen, die einen Raum des Vertrauens entstehen ließ. Nach einigen Sitzungen wurde der Wunsch nach intensiverer Begleitung bei meinen Klienten und Klientinnen wach. So entstanden viele der KLANG – Lern/Lebens – Räume. Aus den Bedürfnissen meiner Klienten und Klientinnen nach Veränderung und Versöhnung in und mit ihrem Leben. Immer wieder kamen wir an den Punkt, an dem Blockaden, die in der Kindheit oder in jungen Jahren gesetzt wurden, auch heute noch wichtig und blockierend waren. Der Wunsch in mir entstand, Familien intensiv durch Lebensveränderungen zu begleiten und ihre fast immer als negativ empfundene Biografie wieder positiv fühlbar zu machen.

Meine eigene Biografie hat Versöhnung gefunden in dem Ritual des Stocktanzes während des Festes Gaj Yatra in Nepal. Hier konnte ich in tiefer Trance meine Gefühle zu meiner Familie im rituellen Tanz, der natürlich getragen wurde durch ausdruckstarke Klänge, verarbeiten. Durch dieses Erlebnis ist der „Tanz des Lebens“ entstanden.

Das war ein tiefes Schlüsselerlebnis für mich. Mir wurde klar, dass auch Bewegung ein wichtiger Bestandteil der Erfahrung sein muss. So können Erlebnisse/Eindrücke direkten Ausdruck finden. Das macht Versöhnung möglich und Kraft kann wieder erfahren werden.

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