AllgemeinErfahrungsberichte

Erfahrungsbericht: Klangschalen nach Schlaganfall

von Gastautoren Hella und Luis Erler

Ein Auszug aus dem Artikel Klang, Geduld und liebevolle Begleitung, erschienen in der Fachzeitschrift des Europäischen Fachverbandes Klang-Massage-Therapie e.V. 10/2015

Hellas Schlaganfall – eine besondere Klanggeschichte

April 2014: Es war ein ganz normaler Tag, wir saßen beim Abendessen zusammen mit unserem ältesten Enkel Lovis. Wir waren gerade mit dem Essen fertig, aber noch mitten in der Unterhaltung. Luis und Lovis machten sich fertig, in den Keller zu gehen, wo unser großer Fernseher steht, um das erste Fußballspiel der WM anzuschauen, als ich (Hella) sagte: Mir wird so schwindelig, ein komischer Schwindel, den ich nicht kenne, ach Gott und jetzt geht er in den Körper. Das ist das Letzte, an das ich mich bewusst erinnern kann. Luis war sofort aufgesprungen und hat mich festgehalten, sonst wäre ich wohl auf den Steinfußboden gefallen. Er hat sofort durch ein paar einfache Tests den Verdacht gehabt, es könnte ein Schlaganfall sein. Lovis ruft die Rettung an. Ich werde sofort ins Krankenhaus gefahren, in eine „Stroke Unit“ (das ist die Bezeichnung für eine spezielle Organisationseinheit innerhalb eines Krankenhauses, die auf die Erstbehandlung von Schlaganfallpatienten spezialisiert ist).

Es war tatsächlich ein Schlaganfall. Es folgte wie üblich Intensivstation und dann – nach einer Woche – die Verlegung in das Bezirkskrankenhaus Regensburg – Neurologische Rehabilitation.

Von diesem ganzen Geschehen ist mir kaum eine Erinnerung geblieben. Die setzte erst wieder ein bei der Untersuchung durch Dr. Hechenrieder und Dr. Gonzales, wo mir immer noch nicht ganz klar war, warum die so komische Anweisungen gaben: Strecken Sie die Zunge raus, drücken Sie die Hand, heben Sie das Bein. Und auch durch diese Untersuchung habe ich noch nicht klar begriffen, dass ich halbseitig gelähmt war, und zwar auf der linken Seite, und schon mal gar nicht, was für eine lange Zeit ich in der Obhut dieser Ärzte bleiben werde. Ich kann meinen Zustand heute als eine Art Dämmerzustand beschreiben, der nicht unangenehm war und in dem ich immer gespürt habe, dass Luis und unsere drei Kinder bei mir sind. Damals wusste ich noch nicht, dass sie tatsächlich fast immer bei mir waren. Schmerzen hatte ich zu diesem Zeitpunkt keine und mir fehlte auch sonst nichts. Ich bekam ein Einzelzimmer und wünschte mir, dass Luis als erstes mein Klangschalenset (Bolo-Schalen) mitbringen sollte. Zunächst einmal nicht, weil ich von ihnen Heilung erwartete, sondern weil ich sie so liebe und gewohnt war, dass sie immer in meiner Nähe stehen. Erst allmählich erinnerte ich mich daran, dass sie auch bei verletzten Nerven eine heilsame Wirkung haben.

Drei Klang-Engel für mich

Ich erinnerte mich, dass Angelika Rieckmann mit hirnverletzten Patienten gearbeitet hat. Ich wollte gerne von ihr wissen, was man in einem solchen Fall zu beachten hat oder ob es da bestimmte Regeln gibt. Ich rief Angelika an und erlebte in einem langen, persönlichen, sehr zugewandten Gespräch viel Hoffnung und Bestätigung, dass Klangschalen in meinem Fall wirksame „Therapeuten“ sein können. Dieses Gespräch hat mir nicht nur Hoffnung und Information gegeben, sondern eine große Dankbarkeit in mir ausgelöst. Deswegen verleihe ich ganz feierlich im Nachhinein Angelika den Titel „Klang-Engel“.

Die Klangschalen waren auch weiter eine gute Kontaktmöglichkeit. Jeder, der in mein Zimmer kam, wollte wissen, was das ist, was man damit machen kann, und die meisten haben die Klangschalen auch gleich ausprobiert. Einer der Therapeuten, die in der ersten Phase mit mir arbeiteten, war Peter Götz, der mich auf die Klangschalen in meinem Zimmer ansprach und erzählte, dass er gerade die Klangmassage-Ausbildung bei Peter Hess mit dem Seminar „Klangmassage III+IV“ beendet hatte und ihm nur noch die Supervision bis zum Klangmassagepraktiker fehlte.
Der Leiter der Neurologischen Rehabilitation, Dr. med. Gerhard Weber, hatte ihm die Ausbildung und gleich ein ganzes Klangschalen-Set genehmigt, verbunden mit dem Auftrag, dass er die Klang-Arbeit in der Klinik einführt; und zwar sowohl bei der Behandlung von Patienten, als auch in Informationsveranstaltungen für Pflegepersonal und Therapeuten. Dr. Weber hat später uns gegenüber geäußert, dass er sich ganz bewusst für diese „neue, noch unbekannte Methode“ entschieden habe, weil er glaubt, dass die Zeit dafür reif sei.
Über den Klangkontakt haben Peter Götz und ich uns angefreundet. Peter Götz hat mich während meines ganzen Klinikaufenthaltes oft besucht, zum Teil als offizieller Therapeut, oft aber auch in seinen Pausen. Der Kontakt mit ihm wurde so selbstverständlich, ein treuer Ermutiger in der längsten Geduldsprobe meines Lebens, sodass ich ihm ebenfalls die Auszeichnung „Klang-Engel“ verleihen möchte.

Und noch von einem weiteren „Klang-Engel“ will ich berichten, von Maria Schmidt-Fieber. Viele Freunde und Bekannte haben sich telefonisch und per Post mit guten Wünschen und viel Anteilnahme bei uns gemeldet. Maria Schmidt-Fieber hat spontan angeboten, für ein paar Tage zu uns nach Regensburg zu kommen, um uns in der schwierigen Alltagssituation zu helfen. Maria kam für fast eine Woche, unterstützte Luis bei der häuslichen Arbeit, sprach ihm Mut und Trost zu, besuchte mich in der Klinik, übernahm einen Teil meiner Pflege und schenkte mir ein paar wunderschöne Klangmassagen – verbunden mit vielen liebevollen Gesprächen, die mir nicht nur Hoffnung und Mut gemacht, sondern auch viele praktische Hinweise gegeben
haben, wie ich die Situation besser meistern kann. Daher bekommt Maria als Dritte die Auszeichnung „Klang-Engel“.

Beim ihrem letzten Besuch in Regensburg hat sie meinem Physiotherapeuten gezeigt, wie man mit einer Klangschale muskuläre Verspannungen lösen kann. Seitdem benutzt dieser Therapeut ihre Technik regelmäßig, was dazu beiträgt, dass meine Beine wieder meine Beine werden. Und seitdem benutze ich auch selber diese Technik. Es tut so gut, wenn man mit einer klingenden Klangschale über die verhärteten Muskeln gleitet.

Abschied von der Klinik

Am April 2015, genau ein Jahr nach dem „Ereignis“, wurde ich nach Hause entlassen und bekomme seitdem ambulante Therapie. Vor meiner Entlassung, im offiziellen Abschiedsgespräch mit Dr. Weber und seiner Stellvertreterin Frau Dr. Lenner, habe ich noch einmal die lange Zeit Revue passieren lassen, die ich in der Klinik für Neurologische Rehabilitation verbracht habe und in der ich meine Lähmung mit Hilfe von vielen guten Pflegekräften, Therapeuten und Ärzten soweit überwunden habe, dass ich die ersten Schritte in ein „ normales“ Leben zu Hause wagen konnte. In diesem Augenblick war ich von so unglaublicher Dankbarkeit erfüllt, dass ich spontan aus tiefstem Herzen anbot, dass wir (Luis und ich), Peter Götz unterstützen wollen bei seiner Aufgabe, den Klang in die Klinik zu bringen.

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