Klangschalen in der Pflege – eine echte Win-Win-Situation

Was bewirken Klangschalen in der Pflege? Schon kleine Klangeinheiten mit Klangschalen von nur wenigen Minuten reichen, um den Pflegealltag leichter und effektiver zu gestalten – sowohl für die Betroffenen als auch für die Pflegenden. Davon weiß die Pflegefachkraft und Gerontologin Rosemarie Bleil zu berichten:

Klangmassage und Klangangebote als Kraftquelle erfahren

Der Begriff der Pflege umfasst ja ein weites Feld, in dem ganz unterschiedliche Bedürfnisse gegeben sind. Veränderungen, die das fortschreitende Alter mit sich bringen, wie beispielsweise der Einzug ins Seniorenheim und Alterserkrankungen wie Demenz, Parkinson, Schlaganfall etc., führen bei den betroffenen Menschen zu Unsicherheiten, Ängsten und einem ausgeprägten Wunsch nach Halt und Sicherheit. Der wertschätzende Grundsatz der Akzeptanz und des „So-sein-Dürfens“ innerhalb der Klangarbeit und die Einfachheit der Klänge ermöglichen häufig einen direkten Zugang zu den betroffenen Menschen, der diese nicht überfordert, weil nicht das Denken, sondern das Hören und Spüren im Vordergrund stehen. All dies spielt gerade auch im Pflegealltag eine wichtige Rolle. Die Klangmethoden können dabei ganz nach den jeweiligen Bedürfnissen individuell in die Pflegeabläufe integriert werden.

Im Sinne des ressourcenorientierten Ansatzes liegt der Schwerpunkt nicht auf Heilung, sondern darauf, den Betroffenen eine schöne Zeit zu ermöglichen mit Wahrnehmungserfahrungen, Körpererleben, Entspannung und Wohlbefinden.

Den Pflegealltag durch gezielte Klangangebote erleichtern

Die sanften Klänge der Klangschalen führen in der Regel schnell in die Entspannung, betroffenen Menschen werden ruhiger, schlafen besser und die regelmäßig notwendige Lagerung bettlägerig Pflegebedürftiger verläuft im entspannten Zustand behutsamer und angenehmer. Darüber hinaus stärkt die Arbeit mit Klang und Klangschalen in der Pflege die Möglichkeiten zur Selbstbestimmung und Kommunikation. So können Ängste und Unbehagen reduziert werden und Gefühle von Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit entstehen.

Wie Rosemarie Bleil in dem Beitrag „Mit Klangschalen die Lebensqualität von Senioren steigern“ in der Fachzeitschrift Klang-Massage-Therapie 14/2019, S. 56-59 beschreibt, können Klangangebote dabei sehr vielfältig genutzt werden:

  • Kurzaktivierung von allen Betreuungsassistenten im Haus
  • Gruppen- und Einzelangebote für Bewohner mit und ohne Demenz
  • explizite Begleitung für bettlägerige Bewohner
  • Pflegebegleitung mit den Klangschalen
  • Palliativbegleitung – auch mit den Angehörigen
  • regelmäßige Klangangebote für die Mitarbeiter während der Arbeitszeit
  • Klangmassage-Angebot für Angehörige

Vielfältige Impulse und eine Begegnung von Mensch zu Mensch

Die Klangschalen mit ihren harmonischen Klängen und sanften Klangvibrationen können aber nicht nur Entspannung schenken, sondern auch ein wunderbares Kontaktmedium sein, das eine Begegnung jenseits von Sprache ermöglicht – eine Begegnung von Mensch zu Mensch, wie dies die Sozialpädagogin, Musikgeragogin und Peter Hess®-Klangexpertin Demenz Mathilde Tepper in nachfolgender Fallbeschreibung schildert:

Fallbeispiel Frau M.

Frau M., von einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung betroffen, ist eine dieser körperlich zarten alten Damen, die wenig auffallen und sich still verhalten. Sie sitzt meistens ganz in sich versunken in ihrem Sessel, spricht so gut wie gar nicht mehr und wenn, dann redet sie, nach Auffassung ihrer Umgebung, wirres Zeug. Wird sie angesprochen, wendet sie einem ihre großen braunen Augen zu, aber schaut einen eigentlich nicht wirklich an.

Wenn ich mit den Klangschalen zu ihr komme, ist das anders. Sie lächelt, sobald sie die Schalen sieht, und nimmt echten Blickkontakt auf. Sie genießt es sehr, wenn die Klangschale auf ihren Handflächen steht, von mir sanft angeklungen wird und der Klang und die Schwingung sich entfalten. In vielen unserer Begegnungen sitzt Frau M. dann einfach nur da, lächelt versonnen, sagt „schön“, schließt die Augen und genießt ganz offensichtlich. An einem Tag war es dann anders. Da sagte sie mit einem Mal: „Davon wird das Herz warm. Das mag ich viel lieber als den Krach, der hier immer ist. Ich mochte es noch nie, wenn es so laut ist und die Menschen sich streiten.“ Wir führten ein Gespräch über das, was einem so alles guttut.

Frau M. ist ein Beispiel von vielen, bei denen mir der Einsatz der Klangschalen und der Klangmassage einen Zugang zum „Unerreichbaren“ ermöglicht hat.

Das tolle ist, dass die Klänge allen Beteiligten guttun

Rosemarie Bleil hat als erfahrene Pflegemanagerin schon zahlreiche Einrichtungen von der Einführung bis zur Projektbegleitung mit Konzepten und Standards für den professionellen Einsatz der Klangschalen begleitet, wie sie in dem Beitrag „Klangschalen bei Demenz und im Pflegebereich“ beschreibt. Dabei wurden die Methoden von jedem MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) als positiv bewertet und es liegen auch Kennzahlen vor, die belegen, dass Medikamente reduziert werden können. Das ist nicht nur für die Einrichtungsleitung, sondern auch für die Öffentlichkeitsarbeit wichtig. Und so werben inzwischen auch schon einige Einrichtungen explizit mit den Klangangeboten als eines ihrer Alleinstellungsmerkmale.

Weiterführende Tipps:

Rosemarie Bleil

Rosemarie Bleil PortraitExaminierte Altenpflegerin, Sozialmanagement, Gerontologin, Peter Hess®-Klangpädagogin in Pflege,  Demenz und Palliativbegleitung. Seit 2013 autorisierte Ausbilderin in den Peter Hess®-Klangmethoden.

Kontak: E-Mail: rosemarie.bleil@web.de · www.klangschalen-in-der-pflege.de

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