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Der Jahreswechsel – die Chance zur bewussten Lebensgestaltung

Jahreswende – Geburtstag eines neuen Jahres

Ein Beitrag von Peter Hess

Zur Jahreswende möchte ich dir eine Erfahrung aus Nepal mitteilen. Ich finde für mich die Erfahrung sehr wichtig. Dir gibt diese vielleicht die eine oder andere Anregung, um bewusster mit deiner Lebensgestaltung ab dem nächsten Jahr umzugehen und diese kraftvoll zu verwirklichen.

Es geht dabei um meine Erfahrungen beim „Bisket Jatra“, wie es in der Königsstadt Bhaktapur neun Tage lang gefeiert wird und das mit dem nepalesischen Neujahrsfest zusammenfällt. Denn der fünfte Tag dieses aufwendigen Festivals ist der erste Tag des neuen Jahres, das i.d.R. Mitte April beginnt, im Monat „Baishak“.

Für mich spiegeln sich im Bisket Jatra die Prinzipien, die unsere Lebensenergie erwecken und in Bewegung halten. Es ist ein wichtiger, entscheidender Moment, wenn das alte Jahr endet und das neue beginnt. In unserer Kultur kennen wir diese Zeit auch unter der Bezeichnung Rauhnächte. Es ist eine Zeit zum Innehalten, zur Einkehr, die wir hier üblicher Weise um die Weihnachtszeit und die Zeit zwischen den Jahren begehen, bis hinein zum Dreikönigsfest am 6.1. des neuen Jahres. Wir können diese Zeit und den Jahreswechsel als Chance nutzen, um unserem Leben eine positive Richtung und neuen Schwung zu geben.

Das Bisket Jatra – ein kosmisches Fest

Ich nenne die Festtage des Bisket Jatra auch den kosmischen Festzyklus, da an diesen Tagen von der Bevölkerung die kosmische Energie, die Lebensenergie erfahren wird.

Selbstverständlich ist, dass diese Festtage ständig mit Musik, mit Klängen begleitet werden, die von den „zertifizierten“ Musikern dargeboten werden. Diese Musik der Götter führt zu einem tranceähnlichen Zustand und hilft, von hindernden Alltags-Gedanken wegzukommen. Loslassen, freiwerden von diesen belastenden und vielleicht sogar krank machenden Gedanken und Gefühlen schafft Raum für Heilung, die so geschehen kann. Von den angebotenen Klängen der Musiker nehme ich die Klänge, Frequenzen, die ich zur Heilung benötige.

Das Prinzip von Abschied und Neubeginn – Das Wiedererwecken der Lebensenergie

Es geht darum, Abschied zu nehmen von alten Erfahrungen, Herausforderungen, aus denen man lernt und gleichzeitig um den Neubeginn in eine bessere Zukunft, in ein besseres Leben.

Dies ist etwa vergleichbar mit der Vorstellung der buddhistischen Wiedergeburt. Im jetzigen Leben machen wir Erfahrungen, bewältigen wir Herausforderungen. Das sind die Voraussetzungen für unsere Weiterentwicklung, sodass wir unser neues Leben besser meistern können und dies hoffentlich auch tun.

Und so geben auch uns die Neujahrstage Raum, um aus den geschehenen Erfahrungen zu lernen und uns für das kommende Jahr bewusst neu auszurichten.

Das, was beim Bisket Jatra in diesen „lebenswichtigen“ Festtagen geschieht, ist das Erleben und Wiedererwecken der Lebensenergie, wie es auch Wilhelm Reich beschreibt. Es vollzieht sich in verschiedenen Phasen, die ich – wenn ich zu dieser Zeit in Nepal bin – immer wieder mit großer Faszination erlebe:

Phase 1:

Spannung entsteht – Raum, um Vergangenes zu bewältigen

In Nepal nimmt man sich etwa neun Tage Zeit, um gut vorbereitet in das neue Jahr zu kommen. Wichtig ist: Das alte Jahr muss rituell abgeschlossen werden, denn nur dann kann das neue Jahr beginnen – hier später noch einige Ideen dazu.

An den Festtagen des Bisket Jatra ist die gesamte Bevölkerung der Königsstadt Bhaktapur unterwegs und durchlebt den Prozess, Altes zu beenden, zu verabschieden und Neues zu beginnen.

Die Festtage beginnen, indem der wichtigste Gott der Stadt Bhaktapur – Bhairav – seinen Tempel verlässt, um in einem großen prächtigen Tempelwagen die Aktivitäten, die in den nächsten Tagen in der Stadt entstehen, zu begleiten. Der Gott Bhairav wird in einer prächtigen Figur verkörpert. Schon der kurze Weg vom Tempel zum Chariot, dem „Götterwagen“ ist geprägt von gesteigerter Spannung, die sich von Minute zur Minute noch verstärkt. Dabei wird die Gottheit von Tantrischen Priestern begleitet, die mit ihm im „Götterwagen“ fahren.

Am „Götterwagen“ sind an jeder Seite lange Stricke angebracht. An diesen ziehen und zerren die Männer der Stadt in jeweils entgegengesetzter Richtung. Der Kampf um die Richtung des Wagens kann mehrere Stunden dauern. Die Spannung steigt. Es geht darum, welche Richtung der „Götterwagen“ mit Bhairav nimmt. Aus dem Bewegungsverlauf des „Götterwagens“ sehen und erkennen die Astrologen die Geschicke der Stadt für das nächste Jahr.

Phase 2:

Spannung führt zur Ladung – die spannungsgeladene Atmosphäre hält an und verstärkt sich noch – alte Herausforderungen zu verarbeiten, dazu braucht es Raum und Zeit

In den folgenden Tagen gehen die Auseinandersetzungen weiter. Die Stadt ist von Spannung geladen. Die Bewohner kommen täglich, um den Göttern Ehre zu erweisen und die Segnung in Form eines Tika zu erhalten.

Phase 3:

Der Weltenbaum ist Symbol unserer Energie, die wir benötigen, um kreativ und konstruktiv die Zukunft zu gestalten.

Der Weltenbaum symbolisiert die Energie, die uns am Leben erhält. In der Stadt Bhaktapur werden in diesen Tagen mehrere Weltenbäume errichtet. Der wichtigste Weltenbaum steht an dem Platz, an dem sich das Götterpaar Bhairav und Bhadrakali – die sich ebenfalls auf einem Wagentempel befindet – treffen. Auch das Aufstellen des Weltenbaumes geschieht in der Auseinandersetzung. Auch bei diesem Ereignis nimmt die gesamte Bevölkerung der Stadt teil. Spannung und Ladung steigen mehr und mehr.

Der Weltenbaum symbolisiert die Verbindung von Kosmos und Erde, von Männlichem und Weiblichen. Das sind die Polaritäten, die uns am Leben halten. Diese Polaritäten kann man mit den Polen einer Batterie vergleichen. Durch die Pole entsteht Spannung und Strom kann fließen. Wir sind wie der Weltenbaum. Unsere Pole sind unsere materielle und unsere spirituelle Seite. Nur, wenn beide Seiten bzw. Pole gut ausgeprägt sind, dann leben wir ein kreatives und konstruktives Leben, dann kann unser Lebensstrom – unsere Lebensenergie – fließen, nur dann sind wir wirklich lebendig.

Phase 4:

Die Vereinigung der gegensätzlichen Energien bewirkt die Verwirklichung unserer konstruktiven Vorhaben

Das zentrale Geschehen dieser Festtage ist das Zusammentreffen des Götterpaares – also zwischen Männlichem und Weiblichem. Dies symbolisiert die Vereinigung von Mann und Frau, von Kosmos und Erde. Dieser Akt soll die Fruchtbarkeit ins neue Jahr bringen. Das Götterpaar vollzieht unter der spannungsgeladenen Bevölkerung einen intensiven Akt. Dadurch löst sich der „Knoten“ – Entladung und Entspannung geschieht. Tiefer Frieden und gelöster, kreativer Raum entsteht, der weiteres Leben ermöglich.

Das, was hier an diesen „lebenswichtigen“ Festtagen geschieht, ist das Erleben und Wiedererwecken der Lebensenergie.

Wie eingangs erwähnt, wird dieses Prinzip auch von Wilhelm Reich beschrieben als – Spannung (Phase 1) – Ladung (Phase 2) – Entladung und Entspannung

(Phase 4). Die Phase 3 beschreibt den „Motor“, damit das Alles geschehen kann.

Wilhelm Reich sagt, dass alles Leben unserer Erde nach diesem Prinzip lebt. Ohne diesen Rhythmus würde kein Leben existieren.

Phase 5:

Wir haben unsere Lebensenergie wieder erweckt und diese hilft uns, täglich unseren Alltag konstruktiv zu gestalten

Leben – Lebensenergie heißt Auseinandersetzung – Spannung – Lösung und Entspannung. Das ist der Motor, der uns im Leben weiterbringt und uns leben lässt, lebendig fühlen lässt!

Anregung für dich und dein Neujahrsfest

Was können wir aus den rituellen Festtagen des Bisket Jatra lernen und was können wir in den kommenden Tagen bis zur Jahreswende und darüber hinaus für uns tun?

Wir können für uns alleine – oder zusammen mit einem Partner/einer Partnerin – die Klänge der Klangschalen und auch der Gongs nutzen, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Dabei können z.B. folgende Fragen hilfreich sein:

  • Was war gut …?
  • Was war herausfordernd … was habe ich daraus gelernt…?
  • Was möchte ich im nächsten Jahr positiv verändern ….?
  • Was ist der erste Schritt und was sind die nächsten Schritte? Schritt für Schritt gehe ich meinen Weg……

Nimm dir für die Beantwortung dieser Fragen Zeit und lass sie einige Tage auf dich wirken. Schenk dir in diesen Tagen jeden Morgen und/oder jeden Abend einen kurzen Klangraum, in dem du ganz bei dir bist und die Antworten auf die Fragen kommen lässt. Vielleicht magst du in dieser Zeit auch ein kleines Notizbuch mit dir führen, in welchem du deine Gedanken, Gefühle, Ideen, die im Laufe der Tage auftauchen, notierst.

Wenn das für dich neu ist, dann lade ich dich hier zu einem „EinKlang für Dich!“ ein.

Und überleg dir, wie du den Höhepunkt, den Übergang vom alten Jahr in das neue Jahr gestalten möchtest. Vielleicht ist es für dich stimmig, das, was du verabschieden möchtest, aufzuschreiben und diesen Zettel in einem klangbegleiteten Ritual zu verbrennen. Die Asche kannst du anschließend vergraben, sodass aus dem Alten das Neue erwachsen kann. Auch hier ist es schön, das, was du bewusst für das neue Jahr einlädst, was du dir wünschst, laut auszusprechen – vielleicht vor Zeugen – und dieses Ritual mit Klang zu bekräftigen.

Schenke dir abschließend nochmal einen Klangraum – das kann auch ein Stück von einer CD sein – und lass die Energie der Transformation auf dich wirken, entspanne dich hinein in die Klänge und vertraue auf das, was kommt.

Neben diesem Vertrauen braucht es aber auch ein Dran-Bleiben. Denn nur zu leicht vergessen wir im Alltag, was wir uns vorgenommen haben. Daher möchte ich dich einladen, gerade die ersten Wochen des neuen Jahres mit einer täglichen Klang-Pause zu gestalten. Sie hilft dir, bewusst an der Umsetzung deiner Wünsche und Ziele dranzubleiben und dich auf dem Weg zu deren Verwirklichung immer wieder zu stärken. Dafür haben sich Notizen in einem Klangtagebuch bewährt, sodass du den Veränderungsprozess, die Transformation ganz bewusst wahrnehmen und auch feiern kannst. Anregungen, wie du solch eine Phase mit Klangübungen gestalten kannst, findest du in dem Beitrag „Kraftquelle Klang – Klangtransformation“.

Und nun wüsche ich dir von Herzen einen klangvollen Jahreswechsel!

Dein Peter Hess

Noch ein paar Tipps:

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