Klangerfahrungen beschreiben, verstehen und erklären, das ist mein Wunsch

Dr. Christina Koller blickt auf 10 Jahre als Vorstandsmitglied im Internationalen Fachverband Klang-Massage-Therapie e.V. und 20 Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Peter Hess® Institut zurück:

Studium der Sozialen Arbeit

Alles begann vor etwa 23 Jahren während meines Studiums der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Regensburg. Ich hatte den Schwerpunkt der Musik- und Bewegungserziehung belegt und war besonders interessiert an allem, was mit Persönlichkeitsentwicklung und Potenzialentfaltung zu tun hatte. Und so landete ich in meinem Jahrespraktikum bei Helmut Kaiser (heute: Rhythmuswelt), einem Musiker und Dozent in der Erwachsenenbildung. Sein Schwerpunkt waren Perkussion- und Instrumentenbaukurse, sodass ich intensiv in die Welt des Rhythmus eintauchen konnte. Hier begegnete ich vielen exotischen Instrumenten, darunter auch Gongs. Die Begegnung mit den Bronzescheiben und ihrem archaischen, mächtigen Klang war für mich eine regelrechte Offenbarung. Ihre Klänge berührten mich auf eine bis dahin nicht bekannte Weise, brachten etwas in mir zum Schwingen, was ich bislang gar nicht wahrgenommen hatte. Diese Faszination für die Welt der Klänge hat mich seither nicht mehr losgelassen.

Diplomarbeit „Der Gong. Seine Geschichte, Herstellung und Verwendung“

Ich wollte mich intensiver mit Gongs beschäftigen, widmete meine Diplomarbeit diesem spannenden, wenn auch exotischem Thema und fand in Prof. Hella Erler eine wunderbare Betreuerin für diese Arbeit, die später im Verlag Peter Hess veröffentlicht wurde. Bei den Recherchen stieß ich auf Peter Hess und den im Jahr 2000 erstmals stattfindenden Klangkongress, den ich natürlich gleich besuchen wollte. Und wieder öffnete sich eine Tür: Die Tür zur Welt der Klangschalen.

Kurz darauf absolvierte ich die Klangmassage-Intensivausbildung bei Emily Hess. Es waren wunderbare und wirklich intensive Tage mit unglaublichen Erfahrungen, nachhaltigen Begegnungen und so viel Lachen, Weinen, Feiern – es war wirklich herrlich und mir war schnell klar, davon will ich mehr!

Doktorarbeit über die „Klangpädagogik“

Gerade mit dem Studium fertig hatte ich kaum Geld, gleichzeitig wollte ich mehr über die Klänge erfahren, verstehen, warum sie solch positive Wirkungen haben. Denn in der Ausbildungsgruppe wurde für mich deutlich, dass das, was ich mit den Klängen erlebte, ähnlich zu dem ist, was andere berichten. Bei all der Individualität der Klangerfahrungen war da doch eine universelle Wirkung zu beobachten.

Und so kam es, dass mich Prof. Hella Erler, die meine Diplomarbeit betreut hatte, dazu ermutigte, mich auf wissenschaftlicher Ebene mit dem Thema zu befassen und eine Doktorarbeit über die Klangpädagogik zu schreiben, die 2001 erstmals als damals noch geschlossene, 2-jährige Weiterbildung starten sollte. In ihrem Mann, Prof. Luis Erler, der an der Universität Bamberg/Lehrstuhl für Elementar- und Familienpädagogik lehrte, sollte ich meinen zukünftigen Doktorvater finden. Und so kam es, dass ich mich im Rahmen des Literaturteils meiner Arbeit, der etwa 200 Seiten umfasst, intensiv mit den Hintergründen der Klangarbeit im Allgemeinen und den Peter Hess®-Klangmethoden im Besonderen beschäftigte. Schwerpunkt meiner Dissertation war allerdings die Curriculumentwicklung der von Emily entwickelten Klangpädagogik und die Anwendung der vermittelten Inhalte in der Praxis. Hierzu evaluierte ich drei Durchgänge dieser Weiterbildung von 2001-2006. Vier Einzelfallstudien rundeten die Arbeit ab.

Für mich waren das ganz besondere Jahre, in denen ich unglaublich viel lernen durfte. Ich bin so vielen wunderbaren Menschen begegnet und durfte mit ihnen immer wieder in die klangpädagogischen Settings eintauchen und bereichernde Erfahrungen sammeln. 2007 war ich dann endlich fertig und meine etwa 400-seitige Doktorarbeit „Der Einsatz von Klängen in pädagogischen Arbeitsfeldern. Dargestellt am Beispiel der Klangpädagogik nach Peter Hess“ wurde im Dr. Kovac Verlag veröffentlicht.

An dieser Stelle ein riesiges DANKESCHÖN an Hella und Luis Erler! Sie sind für mich zwei außergewöhnlichen Menschen, die mit ihrem großen Herz, ihrem offenen Geist und ihrer Fachkompetenz mein Leben und das vieler anderer unvergleichlich bereichert haben. Im Laufe der Zeit wurden sie selbst vom Klang „infiziert“ und führten später einige Untersuchungen zur „Klang-Pause“ durch, wie sie z.B. in dem Blog-Beitrag „Die regelmäßige Klang-Pause fördert Entspannung, Konzentration und Kreativität“ beschrieben werden. Ein großer Dank gilt aber auch Peter und Emily, die mir diese Arbeit überhaupt erst ermöglicht haben!

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am PHI & Vorstandsmitglied im FV

Parallel zu meinem Studium begann ich 2001 für das Peter Hess® Institut (PHI) zu arbeiten. Eigentlich wollte ich damit nur mein Studium finanzieren, doch es sollte anders kommen und heute blicke ich auf mehr als 20 Jahre am PHI zurück. Nach wie vor ist es mir ein Anliegen, das Puzzle der Klangwirkung zusammenzufügen und immer mehr und tiefer zu verstehen, warum die Klänge solch positive Wirkungen auf uns Menschen haben – auf Körper, Geist und Seele.

Das erste Projekt, mit dem mich Peter zu Beginn meiner Arbeit betraute, war die Fachzeitschrift Klang-Massage-Therapie 2001 über die Klangpädagogik, in deren Redaktion ich seither mitwirke. Dem folgte 2002 die Gründung des PHI-Fachbereichs „Forschung und Entwicklung“ mit der erste systematische Befragung der Ausgebildeten zu ihrer Praxis der Klangmassage. Diese Untersuchung wurde im frisch gegründeten Verlag Peter Hess veröffentlicht. Sie floss maßgeblich in die Seminarentwicklung und weitere Veröffentlichungen ein, die ich zusammen mit Peter und anderen Klangprofis in den folgenden Jahren erarbeiten durfte. 2003 fand dann der 2. Klang-Kongress in Nürnberg statt, an dem ich dieses Mal selbst mitwirken konnte. In dieser Zeit entstanden auch die ersten Peter Hess® Akademien – damals in der Schweiz, in Österreich und in Polen. Wir erarbeiteten ein einheitliches Curriculum für die Klangmassage-Ausbildung und die weltweite Peter Hess®-Klangcommunity wurde immer größer und größer. Auch der Fachverband, dem ich gleich nach meiner Klangmassage-Ausbildung beigetreten war, durfte sich über immer mehr Mitglieder freuen. Ich übernahm in den Jahren 2004-2009 dessen Geschäftsführung. Seit 2011 bin ich nun Teil des Vorstandes und darf auf diesem Wege Menschen unterstützen, die wie ich selbst voll Begeisterung die Klänge in die Welt tragen.

Die Begeisterung für die Wirkung der Klänge ist mein Motor

Ich selbst habe keine eigene Klangpraxis, vielmehr sehe ich mich als Multiplikatorin für all die wunderbaren Erfahrungen, die tagtäglich mit unseren Klangmethoden gemacht werden. Oft berühren mich die Berichte sehr, die wir in der Fachzeitschrift oder auf dem Blog www.dieweltdesklangs.de veröffentlichen. Ich erkenne darin vieles, was ich selbst erfahren habe. Und daher ist es mir eine Herzensangelegenheit, diese Erfahrungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und fundiert zu erklären, was bei der Klangarbeit passiert und was damit möglich ist. Denn so kann die professionelle Anwendung der Klangschalen und Klangmassage immer weiter wachsen, sodass möglichst viele Menschen von deren wunderbarer Wirkung profitieren und ihr Leben damit bereichern können.

Praxiseinblicke in die Anwendung von Klangschalen

Einen kleinen Einblick hierzu gibt dieser Vortrag, den ich vor kurzem beim Online-Symposium „Klang und Rhythmusbegleitete Bewusstseinsprozesse“ gehalten habe. Er gibt Praxiseinblicke in die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Klangschalen, dabei stammen die Fallbeispiele i.d.R. aus den Ausgaben der Fachzeitschrift Klang-Massage-Therapie (FZ) und können dort auch näher nachgelesen werden.

Uns so ziehen die Klänge weiter ihre Kreise

Und wenn ich diese Zeilen hier schreibe, merke ich, wie dankbar ich für diesen Weg bin, den ich schon seit so vielen Jahren an der Seite von Peter Hess und zusammen mit all den tollen Kolleginnen und Kollegen gehen darf. Uns alle vereint die Begeisterung für die Klänge, das Wissen um ihr heilsames Potenzial und der Wunsch, die Klänge gemeinsam in die Welt zu tragen!

Und so freue ich mich schon heute auf ein Wiedersehen mit vielen von Ihnen und all den Klangbegeisterten und Klanginteressierten bei unserem nächsten Online-Klangkongress vom 04.-06. März 2022www.klangkongress.de

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