Therapeutische Kommunikation mit Klangschalen

Ulrich Krause stellt die Grundhaltung als Peter Hess®-Klangmassagepraktike*in vor und zeigt auf, wie diese in der Kommunikation mit Klangschalen verwirklicht werden kann.

Exkurs zur Grundhaltung, Präsenz und Aspekten des Dialogs in der Klangmassage – Praxis

Die innere Ausrichtung als Klangmassagepraktike*in ist sehr wichtig, denn unsere innere Haltung beeinflusst maßgeblich den Raum, in dem ein Klangsetting stattfindet und hat damit einen wichtigen Einfluss auf die Prozesse, die dabei angeregt werden können.

Die Ausbildung zur Peter Hess®-Klangmassagepraktikerin / zum Peter Hess®-Klangmassagepraktiker zeichnet sich durch einen hohen Qualitätsstandard aus mit dem Ziel, dass die Klangmassage professionell und sicher angewendet werden kann.

Menschenbild und Prinzipien der Peter Hess®-Klangmethoden

Das Menschenbild in unserer Klangarbeit ist ein positives, angelehnt an die humanistische Psychologie, welches die Einzigartigkeit jedes Individuums berücksichtigt und es gleichzeitig als soziales Wesen begreift, das sich in der Interaktion entwickeln kann. Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch sich entfalten möchte und dazu nicht reglementiert oder sozialisiert werden muss. Das Erreichen einer Bewusstheit über sich selbst sehen wir als Wesensmerkmal des Menschen und den Menschen selbst darin als Gestalter seiner eigenen Existenz. Wir sind in der Lage zu wählen und zu entscheiden und unser aktuelles So-Sein selbstverantwortlich zu verändern. Hier können wir mit dem Klang wunderbar unterstützen und viele Prozesse anregen und begleiten.

Peter Hess beschreibt in diesem Zusammenhang sechs Prinzipien. Sie sind für die Gestaltung einer Klangmassage bzw. Klangsitzung sowie den Dialog zwischen den Beteiligten richtungsweisend. Sie werden in den Aus- und Weiterbildungsseminaren des PHI vermittelt:

  • Achtsamkeit
  • Wertschätzung
  • Ganzheitlichkeit
  • Weniger-ist-mehr-Prinzip
  • Lösungs- und Ressourcenorientierung
  • Dialogisches Miteinander

Die Lösungs- und Ressourcenorientierung

Die Peter Hess®-Klangmethoden sind auf die Ressourcen der Menschen ausgerichtet, die zu uns kommen. Es wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch bereits die Lösung für den Weg zu seinem Zielbild hin in sich trägt – wenn auch vielleicht der Zugang dazu gerade nicht sichtbar ist.“ Wie können wir als Klanggebende mit unserer Haltung, Präsenz und Sprache dabei unterstützen? (Präsenz meint hier die Gegenwärtigkeit, Ausstrahlung, Charisma)

Das dialogische Miteinander

Die Beziehung zwischen einem/einer Peter Hess®-Klangmassagepraktiker*in und der Klientin bzw. dem Klienten ist von einem dialogischen Miteinander geprägt, in dem sie sich als gleichwertige Partner*innen gegenüberstehen.

In dem Resonanzgeschehen zwischen den Beteiligten, zusammen mit dem Klang der Klangschale, kann etwas Neues, Drittes entstehen. Dieses Miteinander beinhaltet auch die im Vorgespräch gemeinsam erarbeitete Zielformulierung für die bevorstehende Klangsitzung. Vorrang haben hierbei natürlich die Bedürfnisse der Klientin / des Klienten. Sie gilt es, vonseiten der Klangmassagepraktikerin / des Klangmassagepraktikers mit der eigenen Haltung und der eigenen Bedürfnislage abzustimmen, sodass ein für beide Beteiligten stimmiger Auftrag formuliert wird.“  Genau hier möchte ich ansetzen!

Die Prinzipien lesen, verstehen – aber wie sind diese umzusetzen? Was braucht es an Hintergrundwissen über Kommunikation und wie entwickelt sich eine kommunikative Kompetenz? Reicht die Alltagskommunikation und vielleicht eine gute Menschenkenntnis aus, um dies umzusetzen?

Der Erstkontakt zwischen Klang gebender und Klang empfangener Person ist schon entscheidend für den weiteren Verlauf und den Erfolg einer vom Klienten bzw. der Klientin formulierten oder gewünschten Zielvorstellung. Mit welchen Erwartungen kommt eine Person zu uns? In welchem Zustand befindet sie sich? Teilweise ist der Erstkontakt von einer gewissen Befangenheit geprägt, wenn die Klientin bzw. der Klient einem fremden Menschen gegenübersteht, einen fremden Raum betritt. Welche Gedanken gehen ihr/ihm durch den Kopf?

Hier ist es die Kunst, schnell eine Atmosphäre der Geborgenheit zu schaffen, die Begegnung als willkommen und den Klangraum als Ort des Wohlfühlens erlebbar zu gestalten – Eine achtsame und liebevolle Begrüßung – auch mit Klangbegleitung (z.B.: „Ich freue mich, dass Sie da sind.“, „Schön, dass Sie den Weg zu mir gefunden haben.“, „Haben Sie schon einmal den Klang erfahren?“) sind die ersten Schritte.

Wenn wir unseren Klienten verdeutlichen, dass die Klangmassage eine wunderbare Möglichkeit ist, in die Ruhe und Entspannung zu kommen, zu sich selbst zu finden und der Klang ein Angebot ist, die eigenen Wünsche und Vorstellungen zu verwirklichen, dann erreichen wir damit eine Fokusverlagerung, die die Erwartungen an uns als Klanggebende relativieren und damit die Selbstwirksamkeit anregen – mit dem Klang auf andere Menschen zugehen, um sie zu beschenken. Im pädagogischen Kontext bedeutet das, andere Menschen anzuregen, sich selber weiter zu entwickeln, damit den Weg für eine intrinsische Motivation zu schaffen. Gelingt dies, erfährt der Mensch eine Erhöhung des Selbstwertgefühls.

„Wenn wir beabsichtigen, einen Menschen zu einer bestimmten Stelle hinzuführen, müssen wir uns zunächst bemühen, ihn dort anzutreffen, wo er sich befindet und dort anfangen. Jeder, der dies nicht kann, unterliegt einer Selbsttäuschung, wenn er meint, anderen helfen zu können.“ (Sören Kierkegaard)

Kommunikative Grundsätze für ein gelingendes Vorgespräch:

Wichtig ist die Fähigkeit zur Empathie, sich in die Gedanken, Befinden und Bedürfnisse unserer Klienten hineinzuversetzen. Aber damit verbunden auch die Fähigkeit, zu den Problemen und Emotionen der Person die notwendige Distanz herzustellen (Pflege der eigenen Psychohygiene). Aus dem Mitfühlen darf kein Mitleiden entstehen.

Die Gefahr von offenen Fragestellungen

Wenn wir Klienten fragen „Wie geht es Ihnen?“ oder „Was belastet Sie?“, kann dies häufig eine Einladung sein, dass unser Gegenüber aus ihrem / seinem Leben erzählt und damit ihre / seine negativen Gedanken und Gefühle preisgibt. Wir Menschen sind häufig auf Fehler fokussiert – Sorgen, Ängste, Zweifel. Wenn man bedenkt, dass wir laut zahlreicher Studien täglich etwa 60.000 Gedanken haben und nur etwa 3% unserer Gedanken aufbauend sind, ist das eine erschreckende Zahl.

Aber nach unserem Prinzip der Salutogenese, wir gehen vom Gesunden aus, sollten wir den Fokus auf das Gute und Gesunde in unserer Klientin / in unserem Klienten lenken. Wenn dabei doch Begriffe wie Minderwertigkeit, Unzufriedenheit, Hilflosigkeit, Einsamkeit, Angst, Depressionen genannt werden, ist es wichtig, dass wir unser Gegenüber damit nicht in die Klangentspannung führen. Sinnvoll ist hier am Ende des Gesprächs eine „Umkehrung“ ins Positive. „Sie wünschen sich: Selbstwertgefühl, Zufriedenheit, Ausgeglichenheit“ usw. Ich nenne das den affirmativen Dialog.

„Worte schwächen oder stärken unsere Gefühle“

„Über Krankheiten reden macht krank“

Die Macht der Worte – Wie Worte die Gefühle beeinflussen

Wir können unser seelisches und körperliches Befinden verbessern, indem wir uns gesundmachende Gedanken machen!

Unsere Gedanken bestimmen unser Handeln. Denn während positive Gedanken uns unterstützen, blockieren und hemmen uns negative. Unsere Gedanken, Worte und Bilder sind in unserem Gehirn hinterlegt, allein unser Verstand entscheidet, was er glaubt oder nicht. Viele negativen Gedanken und Sorgen beruhen auf tieferliegenden Glaubenssätzen oder Annahmen über uns, andere Menschen und Situationen. Sprache hat einen verblüffenden Einfluss auf das Denken: wie wir die Welt sehen.

Auch unsere eigenen Worte wirken auf uns. Wenn wir etwa ein Tabuwort aussprechen (z.B. „Ich bin nichts wert.“, „Ich bin frustriert.“, „Ich bin hilflos.“) kann das bei uns selbst körperlich messbare Stresssymptome hervorrufen.

Fatal ist, dass das Unterbewusstsein die Bewertung als wahr akzeptiert und entsprechende Handlungen veranlasst. Änderungen sind möglich – und dabei muss man bei sich selbst anfangen.

So ist es sinnvoll, im Gespräch Fragestellungen zu formulieren wie „Was ist Ihnen heute wichtig?“ oder „Was möchten Sie heute in dieser Klangmassage erfahren?“ Gut unterstützen kann man dies durch Autosuggestion, eine Selbstbeeinflussung). Dies ist ein Prozess, durch den eine Person ihr Unbewusstes trainiert, an etwas zu glauben.

Dies kann z.B. durch den von der Klientin bzw. dem Klienten ausgesprochen Satz sein: „Ich wünsche mir für mich mehr Gelassenheit.“

Einmal ist das Wort „wünschen“ enthalten, ein Wort, das wir in vielerlei Hinsicht häufig in unserem Leben gebrauchen, was eine positive Assoziation auslösen kann. Grammatisch stecken in diesem Satz 3 Pronomen (Ich – mir – mich), die das Selbst, eine andere Form des Ich, beinhalten. Diesen von unserer Klienten bzw. unserem Klienten ausgesprochene Satz nehmen auch wir als Klanggebende mit in die Anwendung. Wir sind dadurch sicherlich gedanklich noch vertiefender mit unserem Gegenüber verbunden und erfahren uns in unserer Funktion als ein „Werdensbegleiter*in“. Und wenn wir dann der Klientin bzw. dem Klienten den Klangraum schaffen, in dem sie/er vom Außen nach innen zu sich selbst findet, sich entfalten kann, dann haben wir optimale Bedingungen geschaffen.

Da wo das Wort endet, setzt der Klang ein – Somit ist der Klang die eigentliche Fortsetzung der Kommunikation mit etwas anderen Mitteln.

Welche Erwartungen kann eine Klientin bzw. ein Klient an uns als Klanggebende haben?

Nach der Rollentheorie von Dahrendorf sind gesellschaftliche Rollen definiert. So wissen wir z.B. die Rollendefinition von Ärzten oder Therapeuten. Daraus ergeben sich die Rollenerwartungen und die Rollenübernahme vor einer Intervention. Die Rolle als Klangmassagepraktiker*in dürfte nicht ausreichend für die Klientin bzw. den Klienten bekannt sein. Somit ist es sinnvoll, diese Rolle für unser Gegenüber deutlich zu definieren. Dazu gehören die Wirkungsweise der Klangmassage, die Bedeutung von Klang und Schwingung und der Ablaufe der Klangmassage. Dies sollte sprachlich sicher beherrscht und verständnisvoll, ruhig und souverän dargeboten werden. Nur dann gewinnt unser Gegenüber Vertrauen in uns und in die Intervention. Hierzu gibt es für Klangmassagepraktiker*innen genügend Literatur in den vom Peter Hess Verlag veröffentlichten Büchern, in den Skripten der Aus- und Weiterbildungen vom Peter Hess® Institut oder in den Ausgaben der Fachzeitschrift „Klang-Massage-Therapie“.

Ulrich Krause

Studienrat (a.D.) und langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter am Peter Hess®-Institut. Ansprechpartner für die Bereiche Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Fachpublikationen, Forschungsprojekte sowie Fachberater für Schulen. Vorstandsmitglied des Internationalen Fachverbandes Klang-Massage-Therapie e.V.

Weiterführende Tipps

  • Mehr zu dem Thema vermittelt Ulrich Krause in dem Seminar „Therapeutische Kommunikation“. (Voraussetzung: Basis-Ausbildung in der Peter Hess®-Klangmassage). Neben den hier vorgestellten Inhalten umfasst es auch die eigene Haltung, Präsenz und Sprachgestus. Vorgespräche werden als Rollenspiele demonstriert und eine Reflexion und Analyse werden nach Kriterien durchgeführt mit dem Ziel der Optimierung, eine Verbesserung der Kommunikativen Kompetenz. Wenn wir das alles gut beherrschen, können wir den Fokus stärker auf den Klienten legen. Was verrät uns seine Sprache, seine Mimik und Gestik. All das ist eine notwendige Voraussetzung für eine individuelle Klangmassage oder Klanganwendung, die den Wünschen und Notwendigkeiten der Klientin / des Klienten gerecht werden können.

Nächster Termin: 13.-15.05.2022 in Schweringen.

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