Schwangerschaft und Geburt im Klangraum – Ein Erfahrungsbericht

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von Anna Avramidou

Als ich gefragt wurde, wie ich die Geburt meines dritten Sohnes Zuhause, in unserem Klangraum erlebt habe, dachte ich darüber nach, was denn so Besonderes ist, an einer Schwangerschaft und einer Geburt, die durchweg von Klängen, sei es durch meine Arbeit als Klangpädagogin oder durch Klangmassagen, die ich erhalten habe, begleitet wurde. Nach ca. zehn Jahren, in denen ich die Klangmassage nun kenne, ist es für mich selbstverständlich geworden, mein Leben mit Klang zu begleiten. Ohne die Klangschalen fühle ich mich wie ein Motor dem die Schmierflüssigkeit fehlt. Also suchte ich nach einem Vergleich. Deshalb dachte ich über meine ersten beiden Schwangerschaften nach.

Meine großen Söhne sind nun schon zehn und fünfzehn Jahre alt, unser kleiner Nachzügler kam also nach einer längeren Pause auf die Welt. Damals lernte ich die Klangmassage gerade kennen und mir fehlte noch die Erfahrung, um sie während der Geburt oder der Schwangerschaft einsetzten zu können.

Während meiner Vergangenheitsrecherchen schaute ich mir Fotos aus der damaligen Zeit an. Besonders die Bilder der Geburten meiner Söhne stimmten mich nachdenklich. Ich sah Bilder einer Frau, die sich kritik- und fraglos auf alles einließ was mit ihr in diesem fremden Raum von wildfremden Menschen gemacht wurde. Ich sah Angst in meinen Augen und Unsicherheit, die mir in dem reibungslosen Ablauf eines Krankenhauses auch niemand nehmen konnte. Ich mache daraus niemandem einen Vorwurf. Die Hebammen und Ärzte waren sehr nett und taten wirklich alles, was man im Rahmen eines Krankenhausalltages tun konnte. Doch an dieser Stelle wurde mir bewusst welches Glück ich zehn Jahre später hatte, ein Kind in den warmen und urvertrauten Raum des Klanges zu gebären.

Ja, hier ist das Wort „gebären“ gerechtfertigt. Dieses Wort beinhaltet für mich mehr als das „bekommen“ eines Kindes. Dieses Wort wäre vor zehn Jahren bei meiner letzten Geburt angebrachter gewesen. Damals bekam ich Schmerzen, die Wehen, deshalb musste ich ins Krankenhaus. Als ich wieder einigermaßen gesund war, konnte ich entlassen werden. Eben der übliche Weg. Irgendwie werde ich das Gefühl, dass Geburt eine Krankheit ist, nicht los.

Genau hier beginnen meine Gedanken abzuschweifen zu den vergangenen zwölf Monaten, und mir wird klar wie unglaublich groß der Unterschied zu meinen ersten beiden Schwangerschaften ist. Wenn ich morgens, wie immer, meditiert habe und die Klangschalen dabei anschlegelte, war mir der Klang wie ein Weg, der mich zu meinem Kind führte. Ich fühlte eine viel stärkere Verbindung zu meinem Baby, als es mir früher ohne Klang möglich war. Klang schafft eben Resonanz. Und wie viel intensiver diese Resonanz die Verbindung zu meinem Kind machte und macht, vermag nur zu verstehen wer es erlebt hat.

Diese (Entwicklungs-) Geschichte nahm ihren Anfang aber nicht erst mit dem Beginn meiner Schwangerschaft, sondern schon ca. zwei Jahre zuvor während meiner Ausbildung zur Klangpädagogin. Hier – ich denke `lernte` ist wohl der falsche
Ausdruck – erinnerte ich mich im gleichnamigen Seminar an mein Urvertrauenin mich, die Welt, den Kosmos. Ein unglaubliches Gefühl von Geborgenheit, Liebe und „einfach richtig sein“ entstand in mir. Im Setting konnte ich mich, abgesehen von meiner Geburt, noch einmal als Embryo, ungeborenes Baby und schließlich als Säugling erleben. Diese Erfahrungen wurden immer begleitet und eingebettet vom Urklang der Klangschalen und Gongs.

Schon hier wurde mir klar, sollte ich jemals wieder ein Kind zur Welt bringen, dann so wie ich es hier an meinem eigenen Leibe erlebt hatte. Das ist übrigens ein Seminar, das ich jeder schwangeren Frau und natürlich auch den werdenden Vätern ans Herz legen möchte.

Am Anfang der Schwangerschaft war ich, wie wohl die meisten Frauen, von vielen Zweifeln geplagt. Die schwankenden Hormone, die meinen Körper auf das wachsende Leben in meinem Bauch vorbereiteten, taten dass ihre dazu. War das nun der richtige Zeitpunkt ein Kind zur Welt zu bringen? Waren meine beiden Jungs nicht schon zu groß um jetzt noch einen Bruder zu bekommen? Und war ich mit meinen siebenunddreißig Jahren nicht eigentlich aus dem „ –chen Alter“ (Babychen, Autochen etc.) schon heraus? Und was wird aus meinem Beruf? Und vieles, vieles mehr. Mein Kopf hörte nicht auf mir Fragen zu stellen. Mein Gefühl, meine Seele, mein „Spirit“ oder wie man es nennen möchte, schrumpfte auf ein nicht mehr zu spürendes Minimum zusammen. Natürlich wehrte sich dann auch mein Körper mit starken Spannungsschmerzen in der Gebärmutter, die irgendwann krampfartig wurden.

Das war der Zeitpunkt zu dem mein Mann, der selbst in der Klangmassage ausgebildet ist, mir eine unglaublich einfühlsame Klangmassage gab. Wie Peter Hess schon schrieb, bringt der Klang einer Klangschale die Seele zum schwingen. Und genau das war es, was ich nun wieder fühlte, meine Seele. Endlich schwieg mein Kopf und ich horchte wieder in meinen Bauch hinein, fühlte in das kleine Leben, das dort seinen Platz eingenommen hatte. Der Klang und die liebevolle Art, mit der er mein Herz berührte, hatte den Weg gebahnt, von meinem Herzen zum Herzen meines kleinen Sohnes. Bei allen Einwänden seitens meines Verstandes wusste ich nun, dass es gut war und dass alles gut werden würde.

Dieses Band dieser, wie ich fast sagen würde, vom Klang gereinigte Highway unserer Herzen, blieb uns bis heute erhalten. Es ist ein Gefühl der Ruhe, Liebe und absoluter Sicherheit in meine urmütterlichen Fähigkeiten und Urvertrauen in die Fähigkeiten meines Sohnes.

Die Geburt war, wie man sich nun vielleicht schon denken kann, ebenfalls ein sehr berührendes Erlebnis (was sicher jede Geburt sein sollte). Die Hebamme, die noch nie einen Geburt in einem Klangraum mit vielen verschiedenen Klangschalen und einem großen Gong erlebt hatte, war, wie sie uns später erzählte, sehr berührt und begeistert von der wunderschönen, urvertrauten, sanften und liebevollen Atmosphäre, die sie in unserem Geburtsraum vorfand. Im Vergleich zu den ersten zwei Geburten musste mein Mann niemals hilflos mit ansehen wie ich unter den Wehen litt.

Er stellte die Klangschalen um mich herum auf, wie er es schon viele Male zuvor getan hatte und ging klanglich mit mir und dadurch mit jeder Wehe in Resonanz, so dass ich mich nicht auf den Schmerz fokussierte, sondern in den Klang hineinatmete und so den Schmerz wesentlich leichter wahrnahm.

Auch der Gong begleitete mein Kind mit seinem tiefen, vertrauten Klang wie ein uralter Freund in diese Welt. Die Tage nach der Geburt habe ich mit meinem Sohn in einem leicht abgedunkelten warmen Raum verbracht. Jeden Tag habe ich ihn nicht nur mit Klang sondern auch mit meinen Händen massiert. So konnten wir ihn, ähnlich wie es auch die Frauen der Urvölker tun, ganz langsam an die Welt gewöhnen.

All diese schönen Erlebnisse bewahrten aber auch mich nicht vor den allgemein bekannten „Heultagen“ nach der Geburt. Ich schaute mein Baby an und fühlte einen ungeheuren, aber mir irgendwie bekannten Schmerz. Die wiederum schwankenden Hormone machten mich noch empfänglicher für ein Gefühl der absoluten Hilflosigkeit, des Alleingelassenseins, wie es nur ein Neugeborenes fühlen kann, wenn es sich zum erste Mal als getrennt von der Mutter empfindet.

Zu diesem Zeitpunkt vermochte ich dieses Gefühl aber noch nicht so differenziert wahrzunehmen. Ich fühlte mich oft einfach nur wie in einen dichten Nebel eingehüllt. Umso mehr war es mir wichtig mich mindestens einmal am Tag in meinen Klangraum zurückzuziehen, um mich auf meinen Meditationsplatz zu setzten und die Klangschalen anzuschlagen. Mit jedem Klang fühlte ich mich und mein Selbst wieder mehr und der Nebel verschwand. Am Anfang waren es nur kurze Lücken, die mich aufatmen ließen.

Immer öfter gaben mir nun aber auch mein Mann und meine Schwester intensive Klangmassagen. Sie deckten mich warm und weich zu, und ich lag in meinem wunderbaren Klangkissen geborgen wie ein Embryo. – Urvertrauen – Da war es wieder. Der Nebel verschwand, und nun endgültig. Ich sah meine Wahrheit ganz klar vor mir. Die Geburt meines Kindes hatte eine wohl verdrängte aber noch recht offene Wunde in meinem Innersten berührt. Keiner weiß wann sie entstand oder warum. Das war nun auch egal. Hier, in diesem Moment legten der Klang und die Erfahrung, die ich schon vor einiger Zeit durch das
Erinnern an mein Urvertrauen in der Ausbildung zur Klangpädagogin gemacht hatte, ein warmes weiches Pflaster auf die alte Wunde. Es war wie ein klangvolles Streicheln und Nähren.

Aus Gesprächen mit anderen Frauen die geboren haben weiß ich, dass fast alle nach der Geburt ihres Kindes noch einmal hilflos in die Abgründe ihrer kindlichen Seele blicken durften. Ja, ich sage bewusst durften. Denn der Schleier, der sich mit der Zeit über unsere Wunden gelegt hat, lässt sie nicht heilen, er verdeckt sie nur. Ein so intensives Erlebnis, wie es eine Geburt ist, zieht ihn aber zur Seite.

Ich bin dankbar, dass ich diese Chance zur Heilung durch den Klang ergreifen konnte. Und ich bin meinem Kind dankbar, dass sich in seinem Gesicht mein Urvertrauen spiegelt.

Vielleicht haben Sie bemerkt, dass ich die Silbe „Ur-“ des Öfteren benutzt habe. Natürlich tat ich das nicht ohne Grund. Diese Silbe erinnert mich. Sie erinnert mich an die grundlegende Kraft meines Seins. Und an die Erdenmutter, mit der ich mich in
jeder Faser meines weiblichen Seins verbunden fühle. Der Klang der Klangschalen ist ein Urklang, der mich bei dieser elementaren Erinnerung begleitet hat, eben mein Schmieröl auf dem Highway zu meiner Seele ist.

So habe ich, zusammen mit meinem Kind an seinem 40. Lebenstag, am Tag der Wintersonnenwende, unsere Plazenta an die Mutter Erde zurückgegeben, vergraben in einem Wald unter einem uralten Baum. Nur wir zwei waren an diesem Ort und der Klang einer tiefen Beckenschale. Wenn Sie weiter zu diesem Thema lesen möchten, schauen Sie auch in diesen Blog Beitrag…

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One thought on “Schwangerschaft und Geburt im Klangraum – Ein Erfahrungsbericht

  1. Liebe Anna, danke dass du diese Erfahrung mit uns geteilt hast. Auch ich habe diese Heilung durch den Klang erfahren dürfen. Meine Heilung fand statt während des Intensivkurs, als deine Schwester ein Mantra sang. Ich würde allen werdenden Familien solch eine liebevolle Umgebung wünschen.
    Liebe Grüße Regina

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