Barbaras Geschichte vom immerwährenden Glück der goldenen Schale!
von Gastautorin Elisabeth Stadler auf Anregung von Barbara Geschwendt
Einst lebte auf einem hohen Berg in Nepal der Meister mit seinem Schüler. Jeden Abend betrachteten sie zusammen den Sonnenuntergang. Der Meister ging danach erfüllt von Freude und Zufriedenheit in seine Hütte und meditierte, bevor er zu Bett ging. Doch den Schüler erfüllte immer mehr eine Unzufriedenheit und er klagte: „Meister, es ist so traurig, so sinnlos, das Schöne, Freudvolle und Erhabene vergeht, es währt so kurz, danach ist es öd und leer.“ Und so geschah es gegen Ende des langen Winters, dass der Meister seinen Schüler hinaus in die weite Welt schickte, damit er eine Möglichkeit fände, das Schöne, das Freudvolle und das Erhabene zu bewahren. Mit auf den Weg gab der Meister seinem Schüler eine goldene Schale. „In dieser Schale“, so sprach der Meister, „kannst Du alles Schöne bewahren.“ Nachdenklich blickte der Schüler seinen Meister an, verabschiedete sich und wanderte ins Tal. Noch ein heftiger Schneesturm ging nieder und der Schüler fing ein wunderschönes Schneekristall in der Schale ein. Doch die hervorbrechende Frühlingssonne verwandelte die Schönheit und Pracht des Kristalls in einen Tropfen Wasser. Der Schüler wanderte weit ins Land und der Frühling kleidete die Landschaft in wundervolle Blüten. Doch wenn er versuchte, eine Blüte in der Schale zu bewahren – es gelang nicht, sie vertrocknete. Und selbst als er den Blüten Wasser in die Schale gab, nach ein paar Tagen waren sie verblüht und vergangen. Er war traurig und niedergeschlagen. Er sah soviel Schönes: (mehr …)











