Die Prinzipien der Peter Hess®-Klangmethoden

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Pfingstseminar 2014 Peter Hess Institut

von Peter Hess

Mir ist es ein wichtiges Anliegen einmal über die Grundhaltung der Praktizierenden der Peter Hess®-Klangmethoden zu sprechen, die Grundhaltung die wir einnehmen, wenn wir mit unserer Methode arbeiten. Ich halte diese innere Ausrichtung für sehr wichtig, denn die Haltung des Klangmassagepraktizierenden beeinflusst maßgeblich den Raum, in dem ein Klangsetting stattfindet und hat damit einen wichtigen Einfluss auf die Prozesse, die dabei angeregt werden können.
Das Menschenbild in den Peter Hess®-Klangmethoden ist ein positives, angelehnt an die humanistische Psychologie, welches die Einzigartigkeit jedes Individuums berücksichtigt und es gleichzeitig als soziales Wesen begreift, das sich in der Interaktion entwickeln kann. Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch sich entfalten möchte und dazu nicht reglementiert oder sozialisiert werden muss. Das Erreichen einer Bewusstheit über sich selbst sehen wir als Wesensmerkmal des Menschen und den Mensch darin als Gestalter seiner eigenen Existenz. Wir sind in der Lage zu wählen und zu entscheiden und unser aktuelles So-Sein selbstverantwortlich zu verändern. Hier können wir mit dem Klang wunderbar unterstützen und viele Prozesse anregen und begleiten.

Ich habe aus dieser Grundhaltung sechs Prinzipien für die Peter Hess®-Klangmethoden entwickelt, die wir in unseren Aus- und Weiterbildungen vermitteln:
• Achtsamkeit
• Wertschätzung
• Ganzheitlichkeit
• Weniger-ist-mehr-Prinzip
• Lösungs- und Ressourcenorientierung
• Dialogisches Miteinander

Im Folgenden möchte ich näher auf die einzelnen Prinzipien eingehen und ihre Bedeutung bezogen auf die Arbeit mit den Peter Hess®-Klangmethoden verdeutlichen.

ikaria3 124Die Achtsamkeit

Achtsamkeit ist das oberste Prinzip der Peter Hess®-Klangmethoden – für den Klienten, für das Setting, aber auch für sich selbst als Klangmassagepraktiker.
Achtsamkeit meint das wertungsfreie Beobachten dessen, was ist. Das, was bei mir selbst ist, bei meinem Gegenüber und was sich aus der gemeinsamen Handlung ergibt. Ganz im Augenblick sein und bewusst (absichtlich, willentlich) sinnliche Eindrücke, Gedanken und Gefühle wahrnehmen. Durch unsere gerichtete Achtsamkeit auf das Geschehen während der Klangmassage schulen wir unsere Sensibilität auch für das, was sich uns nicht sofort erschließt. Wir nehmen auch nicht-materielle Energien wahr wie z.B. die Stimmung bzw. Verfassung unseres Gegenübers. Das Wesentliche der Achtsamkeit ist, dass sie nicht wertet, sondern neutral beobachtet – sie stärkt damit Gefühle von Vertrauen und Gelassenheit.

Indem wir uns in Achtsamkeit für den Augenblick üben, lernen wir, im Augenblick präsent zu sein. Dies schult auch unsere Intuition: „Die (Klang-)Energie folgt der Achtsamkeit bzw. Aufmerksamkeit!“
Wir beobachten unseren Klienten gut, versuchen, aus seiner Körpersprache zu lesen. Ziel ist es auch, der eigenen Intuition zu vertrauen, die Wahrnehmung auf das Nicht-Greifbare zu lenken. Gegebenenfalls können wir auch mal nachfragen, z.B. wenn wir das Gefühl haben, eine Klangschale sollte etwas länger an einer bestimmten Körperposition bleiben.

Eine achtsame Haltung ist nicht nur für dich als Klangmassagepraktiker bedeutend, sondern kann auch für unseren Klienten hilfreich sein. Daher sprechen wir mit der Klangmassage eine entsprechende Einladung an unseren Klienten aus, sich ebenfalls
in Achtsamkeit dem Geschehen in der Klang-Sitzung zuzuwenden. Achtsamkeit können wir, vereinfacht ausgedrückt, als eine Aufmerksamkeitsfokussierung beschreiben.

Gemäß unserer lösungs- und ressourcenorientierten Haltung als Klangmassagepraktiker richten wir unsere Aufmerksamkeit auf das „Gesunde“.

16-04-15 Aktion Vergissmeinnicht Klangmassage-Hand
Die Wertschätzung

Eng verbunden mit der Achtsamkeit ist eine wertschätzende, liebevolle Haltung. Wertschätzung ist ein Grundbedürfnis des Menschen und bildet die Basis für die zwischenmenschliche Begegnung von Klangmassagepraktiker und Klient.
Wertschätzung meint eine positive Bewertung unseres Gegenübers. Dabei ist unsere Wertschätzung unabhängig von Taten oder Leistungen, vielmehr betrifft sie den Menschen als Ganzes, sein Wesen. Respekt, Achtung, Wohlwollen und Anerkennung gehen damit einher.

Die uneingeschränkte Wertschätzung für den Klienten als Person, für seine Wahrnehmungen, Gefühle und Emotionen, für seinen Umgang mit jeweiligen Situationen oder Problemen, ist grundlegend für unsere Arbeit. Achte und respektiere die jeweilige Lebenseinstellung und Lebenswahrnehmung deines Klienten!
Wertschätzung, Echtheit und Empathie zählen auch zu den drei Säulen der klientenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers. Die (bedingungslose) positive Wertschätzung zielt dabei darauf, den Klienten in seinen positiven Eigenschaften und in seinem Selbstwert zu bestärken. Daraus kann er Zuversicht und Energie beziehen, die sich fördernd auf Veränderungsprozesse auswirken. Sich wertgeschätzt zu fühlen, beinhaltet also an sich bereits einen heilsamen, gesundheitsfördernden Aspekt (vgl. hierzu auch R. Verres, 2005). Wertschätzung und Gesundheit stehen in einem engen Wechselverhältnis, v.a. auch im Berufsleben – wie zahlreiche Studien zeigen.

Wertschätzung und Selbstwert sind dabei eng verknüpft. Nur wenn wir uns selbst wertschätzen, sind wir auch in der Lage, anderen wirklich wertschätzend (und nicht wertend) zu begegnen. Daher ist die eigene Selbsterforschung und Selbstreflexion
eine wichtige Voraussetzung für ein professionelles Handeln als Klangmassagepraktiker. Das Bewusstsein für die eigenen Lebenseinstellungen, Werte und die eigene Wahrnehmung schützt uns davor, unsere Erwartungen auf die Klienten zu übertragen.

Die Ganzheitlichkeit

Der Klang an sich spiegelt das Prinzip von Ganzheit und Polarität gleichermaßen. Im An- und Abschwellen der Klänge, im Wechsel von Stille und Klang erleben wir zwei untrennbare Pole – wie wir sie auch während der Klangmassage erleben: Anspannung – Entspannung. In der Arbeit mit Klängen wird der Mensch in seiner Ganzheit angesprochen, er spürt und erfährt sich auf allen Ebenen: körperlich, geistig und seelisch. Vielleicht ist dies ein Grund dafür, dass sich so viele Menschen von den Klängen der Klangschale so angesprochen und angezogen fühlen. Vielleicht erspüren sie in den Klängen die Qualität der eigenen (oft verloren gegangenen) Ganzheit wieder.
Im bewussten Lauschen auf die Klänge kann ein Sich-selber- und Andere-wiederhören beginnen.

Das Weniger-ist-mehr-Prinzip

Im Gegensatz zu einigen anderen Klangmethoden, setzen die Peter Hess®-Klangmethoden auf das Weniger-ist-mehr-Prinzip. Die Erfahrungen sprechen hier immer wieder für sich. Im Sinne der Peter Hess®-Klangmethoden sollen keine „Prozesse“ unangemessen schnell vorangetrieben werden. Vielmehr kann eine nachhaltige, positive Wirkung nur durch ein behutsames, schrittweises Vorgehen erreicht werden. Dabei gilt es, die individuellen Bedürfnisse und das Tempo unseres Klienten zu achten, damit sich die volle Wirkung der Klangmassage entfalten kann und neue Erfahrungen und Erkenntnisse dauerhaft integriert werden können – egal, ob im Bereich von Entspannung, Prävention, Persönlichkeitsentwicklung, Pädagogik, Therapie oder im Kontext von Heil- und Heilfachberufen.
Die Einfachheit der Klänge bietet hier eine besondere Qualität, die nicht mit Banalität verwechselt werden darf. Die Einfachheit der Klänge führt in eine Reduktion auf das Wenige, Wesentliche, in die Ruhe und die Stille. Musik regt unseren Geist oft zu analysierenden Prozessen an. Die Klänge obertonreicher Musik stellen hingegen für den intellektualisierenden Geist eine Art Reizentzug dar. So helfen die Klänge der Klangschalen mit ihrer monochromen, also gleichförmigen Struktur, die (oft kreisenden) Gedanken zur Ruhe zu bringen.
Im Sich-einlassen auf den Klang kommen wir wieder in Kontakt mit uns selbst, unseren eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Sehnsüchten. Die Einfachheit und gleichzeitige Vielfalt der obertonreichen Klänge spricht eine regelrechte Einladung zur sinnlichen Erfahrung aus, sie lädt ein zum Horchen und Lauschen und regt die Fantasie an. Besonders zentral ist dabei auch, dass die Klänge von Klangschalen und Gongs, im Gegensatz zu Musik, jenseits einer Bewertung von „musikalisch“ oder „unmusikalisch“ sind.

Die Lösungs- und Ressourcenorientierung

Die Peter Hess®-Klangmethoden sind auf die Ressourcen unseres Klienten hin ausgerichtet. Es wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch bereits die Lösung für den Weg zu seinem Zielbild hin in sich trägt – wenn auch vielleicht der Zugang dazu gerade nicht sichtbar ist. In diesem Sinne liegt bei der Klangmassage der Fokus auf der Stärkung des Gesunden und gut Funktionierenden. Der leichte Trancezustand, der in der Klang-Entspannung meist relativ schnell und einfach erreicht wird, ermöglicht den Zugang zu hilfreichen unbewussten Anteilen, zu unserer „inneren Stimme“, unserem „inneren Heiler“ und damit zu (noch) ungenutzten Ressourcen. In unserer wertungsfreien Haltung (unserer inneren „Leere“, im Sinne einer bedingungslosen, erwartungsfreien Hingabe) als Klangmassagepraktiker eröffnen wir einen Raum, in dem dieser Zugang für unseren Klienten möglich wird, ohne dass wir dies aktiv beeinflussen – der Klang wirkt hier für sich!

Das dialogische Miteinander

Die Beziehung zwischen einem Peter Hess®-Klangmassagepraktiker und seinem Klienten ist von einem dialogischen Miteinander geprägt, in dem sie sich als gleichwertige Partner gegenüberstehen. Hier finden wir Parallelen zum Dialogischen Prinzip Martin Bubers.
In dem Resonanzgeschehen zwischen den Beteiligten, zusammen mit dem Klang der Klangschale, kann etwas Neues, Drittes entstehen. Dieses Miteinander beinhaltet auch die im Vorgespräch gemeinsam erarbeitete Zielformulierung für die bevorstehende Klangsitzung. Vorrang haben hierbei natürlich die Bedürfnisse des Klienten. Sie gilt es von Seiten des Klangmassagepraktikers mit der eigenen Haltung und der eigenen Bedürfnislage abzustimmen, sodass ein für beide Beteiligten stimmiger Auftrag formuliert wird.

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